DVD-Rezension: “King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“

Von , 27. April 2016 17:47

daemonen_aus_dem_weltallDurch die Atombombentests der Menschen fühlt sich das Unterwasserreich Seetopia bedroht. Um die Menschen zur Beendigung der Tests zu zwingen, beschwören sie das Monster Megalon. Zudem bemächtigen sie sich der neueste Erfindung des Erfinders Goro Ibuki (Katsuhiko Sasaki), des Roboters King Kong, und programmieren diesen so um, dass er Megalon zu den Menschen führt. Doch Goro gelingt es „King Kong wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dieser fliegt zu daraufhin auf die Monsterinsel, um Godzilla um Hilfe zu bitten. Dieser nimmt zusammen mit „King Kong“ den Kampf gegen Megalon auf, welcher allerdings Verstärkung vom Weltraum-Monster Gigan bekommt…

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King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ gilt gemeinhin als einer der schlechtesten Godzilla-Filme der ersten Staffel, die von 1954 bis 1975 dauerte. Meines Erachtens zu unrecht. Gut, dem Film wurde gewaltsam jegliche Ernsthaftigkeit ausgetrieben und aus Godzilla ein hüpfendes, Kung-Fu-kämpfendes, nettes Monster von Nebenan gemacht. Zudem griff man auch wieder auf eine nervige Kinderfigur zurück. Doch „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ versucht dabei erst gar nichts anderes zu sein, als quitschbunte und naive Unterhaltung, an der sowohl Kinder, als auch Kind gebliebene Erwachsene ihren Spaß haben können. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ vereint und bestätigt eigentlich alle Vorurteile in sich, die der Laie landläufig Godzilla-Filmen gegenüber hat. Doch gerade dadurch wird er fast schon zum essentiellen Godzilla-Film. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist genau diese bestimmte, fast schon verschüttete Erinnerung, die man an die nachmittäglichen Godzilla-Filme hatte. „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ strahlt diese kindliche Freude an bizarr-lustig aussehende Monster und deren stundenlanges Gekloppe aus.

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Gleichzeitig ist er der Höhepunkt des von Regisseur Jun Fukuda eingeschlagenen Weges, der die Reihe immer weiter in Richtung bunte Kinderunterhaltung drückte und aus Godzilla den Kumpeltyp machte, der immer dann auftaucht, wenn es gilt die Menschheit vor griesgrämigen Monstern zu retten. Da darf er schon mal einen kleinen Freudentanz aufführen oder in Kung-Fu-Postion gehen. Godzilla ist bei Fukuda nicht mehr die Urkraft, welche vernichten will, sondern der nette grüne Riese, mit dem man Spaß haben kann, und der einem Menschen nie ein Haar krümmen würde. Das hat dann zwar überhaupt nichts mehr mit dem ursprünglichen Godzilla zu tun – und noch weniger mit seiner Reinkaration aus den 80er, 90er und 00er Jahren – aber sehr viel mit dem Bild, welches man heute noch immer von Godzilla hat, wenn man früher nur ein paar Filme aus den späten 60ern und den 70ern im Nachmittagsprogramm der Privaten genossen hat.

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Neben der ausgelassenen Albernheit dürfte den Godzilla-Puristen auch die sehr limitierte Rolle ihres Lieblings sauer aufstoßen. Ursprünglich war der Film als Vehikel für den neuen Helden Jet Jaguar, einem flotten Roboter (statt King Kong hätte ihn die deutsche Synchro vielleicht besser Kling Klong nennen sollen), der seine eine Größe verändern kann, geplant. Doch allein auf Jet Jaguar wollte man sich dann doch nicht verlassen, weshalb dann doch noch der populäre Godzilla in den Film gepackt wurde. Ein weiterer Kritikpunkt wären auch – wie beim Vorgänger – die vielen Archivaufnahmen aus älteren Filmen, die die Kosten für die Kämpfe und Zerstörung nach unten drücken sollten. Auch mit dem Design des neuen Monsters Megalon, welches anscheinend von einer Küchenschabe inspiriert und mit ein seltsames Kreuz auf dem Kopf verziert wurde, hat sich die Toho nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Dafür wurde dem aus dem Vorgängerfilm bekannten Kampfhuhn Gigan ein neues, cooleres Aussehen verpasst. Der Film läuft dann auch zielstrebig und ohne größere Höhepunkte seinem fast halbstündigen Endkampf entgegen. Der Anteil der „menschlichen Handlung“ ist dementsprechend oberflächlich und schnell abgehakt.

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Im Grunde erzählt der Film nur wie die mittlerweile altbekannte Geschichte der Außerirdischen (hier zur Abwechslung mal Bewohner eines im Meer versunkenen Kontinents), die mit Hilfe einiger Monster die Kontrolle über die Erde erlangen wollen und schließlich aufgeben müssen, wenn Godzilla ihre monströse Super-Waffe verprügelt hat. Leider wurden die Untersee-Bewohner nicht besonders liebevoll gestaltet. Ein grobschlächtiger Amerikaner mit Seemanns-Tattoo spielt ihren Anführer und darf einmal von einigen Schönheiten umtanzen lassen. Dies übrigens die einzigen weiblichen Figuren in diesem Film, was noch einmal beweist, dass das Zielpublikum präpubertäre Jungs waren, die Monster eben geiler als Mädels finden. Das alles wirkt aber leider auch auffällig billig und lieblos. Auch bei anderen Szenen wurde sich nicht besonders viel Mühe gegeben. Gleich in der Eröffnungsszene wird vergessen, ein Erdbeben durch Wackeln der Kamera zu simulieren, so dass die armen Darsteller scheinbar ohne Grund hin und her stolpern. Doch gerade diese Unzulänglichkeiten, tragen auch zu dem besonderen Charme dieses Filmes bei. „King Kong – Dämonen aus dem Weltraum“ kann man entweder als buntes Spektakel für große Kinder oder peinlichen Tiefpunkt der mit einigem Ernst gestartet Godzilla-Reihe sehen. Nach „King Kong“ durfte der für die Infantilisierung der Reihe hauptsächlich verantwortliche Jun Fukuda noch „.King Kong gegen Godzilla“ inszenieren, bevor „Godzilla“-Vater Ishirō Honda die sogenannten Shōwa-Staffel mit „Die Brut des Teufels“ zu Grabe trug.

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Zugegeben, „King-Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist ein sehr infantiler und recht alberner Vertreter seines Genres. Zudem wurde aus Kostengründen wieder viel altes Material recycelt und die ganze Angelegenheit auf „kinderfreundlich“ inklusive nervigem Göre gebürstet. Trotzdem macht dieser simpel gestrickte Film mit seinem schier endlosen Monster-Gekloppe mit all seinem kindlichen Charme Spaß. Man sollte ihn nur nicht mit den früheren, grimmigeren Einträgen der Serie vergleichen. Das hier ist kunterbunter Kindergeburtstag.  Nicht mehr, nicht weniger. Das kann man mögen oder hassen.

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„King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ ist nun schon die dreizehnte Folge der wundervollen Kaiju Classics, die von Anolis wieder in einem schicken Metal-Pack und in gewohnt reichhaltiger Ausstattung veröffentlicht wurde. Neben dem höchst informativen und umfangreiches Booklet von Ingo Strecker, hat Anolis wieder zwei Versionen des Filmes in die Veröffentlichung gepackt. Auf DVD 1 befindet sich die japanische Fassung des Filmes mit einem Audiokommentar des bewährten Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber, sowie japanischer Trailer und US Trailer, ein spanischer Werberatschlag und eine Bildergalerie mit japanisch und internationalen Motiven. DVD 2 enthält die deutsche Kinofassung mit einem Audiokommentar von Florian Bahr. Ferner finde man hier den deutschen Trailer, die deutsche Super-8 Fassung, ein Scan des Filmprogramms und eine deutsche Bildergalerie. Das Bild beider Film-Fassungen bietet keinen Anlass zur Kritik und auch der Ton ist – trotz seines Alters – absolut sauber. Wieder eine tolle Veröffentlichung. Nummer 14 kann kommen.

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