DVD-Rezension: „Prison“

prisonNachdem Charlie Forsythe hier 1964 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, schlossen die Behörden das Wyoming State Penitentiary. 20 Jahre später wird es im Zuge einer Reform wieder eröffnet, um die umliegenden Gefängnisse zu entlasten. Zum Direktor wird der Eaton Sharpe (Lane Smith) berufen, der einst als junger Wärter eine wichtige Rolle bei Forsythes Hinrichtung spielte. Sharpe ist ein harter Hund, was nicht nur die junge Katherine Walker (Chelsea Field), die die Wiedereröffnung des Gefängnisses begleitet, sondern auch die neuen Insassen, unter ihnen der Autodieb Burke (Viggo Mortensen) zu spüren bekommen. Doch Sharpe ist nicht die einzige Gefahr für sie. Denn durch den Abriss der Mauer zur ehemaligen Todeskammer wird auch Forsythes Geist freigesetzt, und der sinnt auf Rache…

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1986 war der junge finnische Regisseur auf den Sprung zur großen Hollyood-Karriere. Nachdem er mit seinem amerikanisch co-finanzierten Debüt „Born American“ mit Chuck-Norris-Sohn Mike nicht nur in seiner Heimat auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde ihm umgehend sein US-Debüt angeboten. Für Charles Bands B-Movie-Produktionsfirma Empire Pictures drehte er den Horrorfilm „Prison“. Dieser war dann die perfekte Vorstudie zu seinem großen Durchbruch „A Nightmare on Elm Street 4“, welchen er im folgenden Jahr drehte. Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen beiden Filmen erstaunlich. In beiden taucht Harlin seine Bilder in einen blauen Schleier und arbeitet viel mit Nebel und Gegenlicht. Die Morde sind blutig und kreativ, aber der Grusel bleibt bei dem ganzen Spektakel auf der Strecke. Insbesondere bei „Prison“ merkt man deutlich, dass Harlin ein guter Action-Regisseur ist und ihm dieses Genre weitaus näher steht, als der traditionelle Horrorfilm. Auch wenn er natürlich klassische Schauerelemente in seinen Film einbringt, dürfte sich bei „Prison“ niemand ängstlich unter der Bettdecke verkriechen.

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Diese weitgehende „Grusellosigkeit“ liegt teilweise natürlich an dem Geist, der das Wyoming State Penitentiary heimsucht. Dieser manifestiert sich bis kurz vorm Schluss in Lichtstrahlen und elektrischen Funken. Und die Lichtershow taugt nur sehr bedingt dazu, Ängste zu schüren. Zudem fehlt dem mörderischen Geist der Unterbau. Erst beim großen Finale wird seine Geschichte und sein Motiv enthüllt – und dies beißt sich dann aber gehörig mit den Ereignissen, denen der Zuschauer zuvor Zeuge geworden ist. Wenn Forsythe das unschuldige Opfer einer gemeinen Intrige war, weshalb richtet er dann seinen übersinnlichen Zorn nicht ausschließlich gegen das Wachpersonal und damit die Verursacher seines Leides, sondern killt auch wahllos seine „Kollegen“? Wieso wird mit Burke ein Wiedergänger des armen Opfers und nun übersinnlichen Mörders präsentiert? Eine Wiedergeburt des Opfers Forsythe kann er schlecht sein, und auch sonst wird die frappierende Ähnlichkeit zwischen Burke und Forsythe nie thematisiert. Es scheint so, als hätte das Drehbuch am Anfang eine enge Verbindung zwischen den beiden konstruiert, die dann aber im Lauf des Drehs fallen gelassen wurde.

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Renny Harlins Stärken liegen in den Actionsequenzen und der sehr stimmungsvolle Bildgestaltung, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt. Diese Stärken konnte er dann konsequenterweise in „Nightmare 4“ weiter ausbauen und im Laufe seiner Karriere perfektionieren. Mit „Stirb langsam 2“ und „Cliffhanger“ bewies Harlin nachdrücklich seine Eignung zum Action-Regisseur, zum Horrorfilm sollte er erst 2004 wieder zurückkehren, als er das unglückselige „Exorzist“-Prequel „Dominion“ von Paul Schrader übernahm. Interessanterweise gelang es ihm aber auch hier nicht, einen wahrhaft unheimlichen oder zumindest tiefschichtigen Film abzuliefern. Wie auch in seinen Frühwerken ersetzen Spektakel und Schauwerte den Grusel. Was nicht negativ verstanden werden sollte, denn Harlins Filme gaukeln auch keine philosophische Grundierung vor, sondern funktionieren sehr gut als purer Eskapismus.

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In „Prison“ kann er sich zudem auf ein gut aufgelegtes Ensemble verlassen. Der noch sehr junge, gutaussehende Viggo Mortensen überzeugt als cooler und schweigsamer Rebell, während Lane Smith als strenger Warden Sharpe zu kräftig aufdreht, es dabei aber schafft, nicht gänzlich zur Karikatur zu verkommen. Unterstützt werden beide durch eine Statisten-Gang aus echten Strafgefangenen, die ein wenig Authentizität mit einbringen. Allein die von Chelsea Field gespielte junge Heldin bleibt blass und hinterlässt keinen größeren Eindruck. Diesen hinterlässt allerdings die wunderbare Location. Ein altes, verrottetes Gefängnis voller Winkel, geheimen Zellen und Schleichwegen. Die perfekte Kulisse für einen „Spukhaus“-Film, der viel zu einer unheimlichen und bedrückenden Atmosphäre beiträgt, welche Harlins Inszenierung nicht alleine auf die Beine stellen kann.

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Renny Harlins US-Debüt „Prison“ zeigt schon deutlich seine Stärken und Schwächen. Die temporeiche Inszenierung und wundervoll stimmige Bildgestaltung können überzeugen, Grusel oder Personenentwicklungen bleiben dabei auf der Strecke.

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Koch Media hat diesem fast schon vergessenen 80er Horrorfilm eine wahre Deluxe-Veröffentlichung mit drei Scheiben beschert. Wobei mal wieder vortrefflich über Sinn und Unsinn solcher Media-Book-Veröffentlichungen diskutiert werden kann. Denn bei den zwei der drei Scheiben handelt es sich um jeweils eine Blu-ray und eine DVD mit dem Film. Die Gruppe derer, die beides braucht dürfte da ziemlich gegen null gehen. Die dritte Scheibe ist eine DVD mit bonus-Material, welches aber vielleicht auch auf der Blu-ray Platz gefunden hätte. Wie dem auch sei, die Bonus-DVD enthält laut Hersteller ein Making-of (38 Min.), ein Interview mit Renny Harlin (48 Min.), zwei „Wild Force“-Musikvideos von Renny Harlin, ein Grußwort von Viggo Mortensen und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial enthält. Ferner gibt es noch ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber. Zur Qualität und dem Inhalt der Extras kann ich aber nichts sagen, da mir zur Rezension lediglich die DVD mit dem Film vorlag. Hier ist die Präsentation in Ordnung. Wie bei vielen Filmen, die in der zweiten Hälfte der 80er gedreht wurden, hat man manchmal das Gefühl, es würde ein ganz leichter grauer Schleier über dem Bild liegen. Da dies aber wie gesagt auf sehr viele spät 80er-Produktionen gilt, dürfte dies am Ausgangsmaterial und nicht an der DVD-Umsetzung liegen. Der Ton ist gut, die deutsche Synchronisation auf einem guten 80er-Videothekenware-Niveau. Im Gegensatz zur ehemals indizierten Videokassette ist die DVD ungeschnitten.

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