Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Der Schmelzmann in der Leichenmühle – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“

schmelzmannRecht schnell hat Christian Keßler seinem erst vor einem Jahr erscheinen Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof“ eine Fortsetzung folgen lassen. Das neue Werk trägt den Titel „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“ und bietet dem geneigten Leser wiederum „40 Gründe, den Trashfilm zu lieben“. Dies stellt den Rezensenten vor ein kleines, wenn auch angenehmes Problem. Zum neuen Buch kann man im Grunde nur das wiederholen, was man schon zum ersten Band schrieb. Christian Keßler knüpft nahtlos an den zur Recht erfolgreichen Vorgänger an. Wieder hat er den Schlüssel zu einer ganz wunderbaren Filmwelt in der Tasche. Wieder sind seine Präsentationen manchmal schier unfassbarer Wunderwerke frei von dem galligen Zynismus, mit dem so mancher „Filmexperte“ über den sogenannten Trashfilm herziehen.

Wobei allein ja schon in der Formulierung „Trashfilm“ eine spöttische und herabwürdigende Distanz zu den vorgestellten Filmen steckt. Nicht so bei Keßler, aus denen Zeilen eine aufrichtige Liebe für das Nicht-perfekte, das Buckelige und den riesigen Enthusiasmus der Filmemacher spricht. Dass das Wort „Trash“ trotzdem im Titel auftaucht, hat nur etwas mit einer besseren Vermarktung zu tun. Keßler selber distanziert sich ganz klar davon. Aber wenn es dem Propheten nutzt, mit diesem hässlichen Wort seine Botschaft der Filmliebe unter ein ansonsten vielleicht ignorantes Volk zu streuen – dann bitte.

Liest man die Texte, fühlt man sich gleich gleich wieder in eine andere, vielleicht sogar besser, Welt versetzt. Wem es nicht hinter den Augen juckt, jetzt unbedingt und gleich „Deafula“, den einizgen Vampirfilme von und für Taubstumme, sehen zu wollen, bei dem ist wahrscheinlich sowieso Hopfen und Malz verloren. Der soll ruhig weiter „Transformers“-Materialschlachten ansehen und bei „Sharknado 3“ so richtig volle Kanne ablachen. Alle anderen werden aber vom Zauber einer „Lady Terminator“ oder dem Charme der „2000 Maniacs“ gefangen werden.

Mich freut diesmal besonders, dass sich Keßler auch einiger Lieblingsfilme von mir angenommen hat, die ich bereits im Rahmen unserer Bremer Filmreihe „Weird Xperience“ auf der großen Leinwand zeigen durfte. So den gottgleichen „Die Satansweiber von Titfield“ und dem einzigartigen „Das Stundenhotel von St. Pauli“, das ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Aber auch andere, völlig zu unrecht kaum bekannte Filme, werden von Keßler ans Tageslicht gebracht. Wie der schier unglaubliche „Thundercrack!“ und der einfach unfassbare „Terrorgang“. So könnte es jetzt noch seitenweise weitergehen, doch es soll auch nicht unterschlagen werden, dass Christian Keßler in diesem Buch – stärker noch als im Vorgänger – um die Filme kleine Geschichten baut, die einiges über seine Sicht auf die Welt und die Missstände in denen wir leben müssen erzählt. Die Welt ist nicht immer schön und gerecht, auch diese traurige Erkenntnis schmuggelt Keßler in sein Buch. Dass er dabei aber trotzdemimmer einen positiven Grundton beibehält und nie aufsteckt, das verbindet ihn mit vielen der Filmemacher, deren Filme er uns hier ans Herz legt.

Kurzum, wer „Wurmparade auf dem Zombiehof“ verschlungen hat und Christian Keßlers legendären Artikel in der leider eingestellten „Splatting Image“ vermisst, der sollte jetzt sofort und ohne schuldhaftes Zögern den „Schmelzmann“ bestellen. Wer beides nicht kennt, sollte sich zumindest einmal im Leben auf eine wilde und exotische Reise durch die Welt der obskuren Filme einlassen. Vielleicht wird er ja angefixt und schaut dann, wie man an „Incubus“, diesen auf Esperanto gedrehten Film mit William „Cpatain Kirk“ Shatner, heran kommt. Das würde ich mir jedenfalls wünschen. Ebenso, wie einen Auftritt Keßlers in seiner Heimatstadt Bremen. Weihnachten ist ja gerade vorbei, vielleicht klappt es da noch mit den Wünschen.

Christian Keßler “Der Schmelzmann in der Leichenmühle – Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“, Martin Schmitz Verlag, 300 Seiten, € 18,80

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