DVD-Rezension: “Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“

Von , 14. April 2015 22:13

frankensteinungeheuermeerDer Bruder des jungen Ryôta (Tôru Watanabe) verschwand einst auf hoher See. Durch einen Zufall gerät Ryôta an ein Segelboot und sticht mit den beiden Kumpels Ichino (Chôtarô Tôgin) und Nita (Hideo Sunazuka) sowie dem Dieb Yoshimura (Akira Takarada) in See. Bald geraten sie in ein Unwetter und machen eine erste Bekanntschaft mit dem gewaltigen Hummerwesen Ebira. Auf eine Südseeinsel gespült, stellen sie fest, dass diese als Basis der terroristischen Geheimorganisation „Roter Bambus“ dient, die von der Nachbarinsel Sklaven entführen. Auf der Nachbarinsel befindet sich auch der verschwundene Bruder Yata (Tôru Ibuki). Zusammen mit dem Insel-Mädchen Daiyo (Kumi Mizuno) machen sich unsere Helden auf, den „Roten Bambus“ zu besiegen und die Sklaven zu befreien. Gut, dass auch ein alter Bekannter auf der Insel schlummert…

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1966 war ein wichtiges Jahr für die 1954 gestartete Godzilla-Reihe. Die letzten beiden Filme hatten nicht mehr den großen Erfolg an der Kinokasse, den sich Toho gewünscht hatte. Also wurde beschlossen, den Stil der Reihe grundlegend zu ändern und die Godzilla-Filme zukünftig kostengünstiger herzustellen. Erstes Opfer dieser Entscheidung war Regisseur Ishirô Honda, der zuvor sage und schreibe acht Godzilla-Filme und darüber hinaus zahlreiche weitere Monsterfilme, für Toho inszeniert hatte. Er wurde durch Jun Fukuda ersetzt, der es in der Folgezeit auf fünf weitere Godzillas bringen sollte. Kostensparend wurden auch Kostüme aus den vorangegangenen Filmen wiederverwendet, was Godzilla und vor allem die ebenfalls in „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ auftauchende Motte Mothra, recht schäbig aussehen ließ. Statt auf dem Festland zu spielen, wird die Handlung des neuen Filmes auf eine Südseeinsel verpflanzt, wodurch man sich die teureren Städtemodelle, die regelmäßig unter den Füssen Godzillas platt gemacht wurden, sparen konnte. Dadurch wirkt der Film dann auch weitaus kleiner als seine Vorgänger.

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Godzilla-Fans müssen sich stark in Geduld üben, bis ihr Liebling erscheint. Erst nach 50 Minuten tritt die große Echse in Aktion. Davor schläft sie in einer Höhle auf der Insel. Wenn Godzilla dann endlich erwacht, benimmt er sich recht merkwürdig. Viele seiner Aktionen scheinen gar nicht in das Bild zu passen, welches man sich von dem beliebten Monster bisher gemacht hat. Eine Erklärung dafür liefert die Produktionsgeschichte. Tatsächlich war „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ als King-Kong-Streifen geplant. Godzilla wurde nur eingesetzt, weil er zu diesem Zeitpunkt das populärere Ungetüm war. Und in der Tat benimmt sich Godzilla hier reichlich affig. Er wirft mit Vorliebe Felsbrocken um sich, scheint sich in ein hübsches Insel-Fräulein zu vergucken und darf ganz Kong-like gegen attackierende Flugzeuge kämpfen. Insgesamt hätte der Film mit Kong vielleicht sogar besser funktioniert und die Insel-Landschaft mehr Sinn ergeben. Mit „fremden Charakter“ ausgestattet, vollzieht Godzilla aber auch die Wende hin zum Menschenfreund und Super-Monster, welches die Menschheit, sprich Japan, vor bösen Feinden beschützt.

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Godzillas Feinde sind in diesem Film weniger eindrucksvoll. Mothra taucht kaum auf und gehört sowieso zu den Guten. Ein anonymer Riesenvogel sieht mehr aus wie ein fliegender Staubwedel und wird von Godzilla ebenso schnell geröstet, wie er aus dem Nichts auftauchte. Godzillas Kampf gegen den gefiederten Freund ist obendrein schlecht choreographiert und eher hektisch, als eindrucksvoll. Da ist das Hummerwesen Ebira schon von anderem Kaliber, auch wenn ein riesiger Hummer nun nicht besonders gruselig oder eindrucksvoll daher kommt. Immerhin ist Ebiras Design recht schön geworden und die Szenen am Anfang, wenn man in stürmischer See nur seine gewaltigen Zangen sieht, sehr stimmungsvoll. Ein Highlight auch der brutale Kampf Godzillas gegen Eibra am Ende des Filmes, der sogar unter Wasser geführt wird. Demgegenüber ist das anfängliche Ping-Pong-Spiel der Beiden, welches mit Felsbrocken geführt wird, dann eher lustig und auch ziemlich albern anzusehen. Es wundert nicht, dass es für Eibira bei diesem einen Auftritt bleiben sollte.

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Da die Monster nur eine untergeordnete Rolle spielen, und es auch erst nach der Hälfte des Filmes überhaupt zu nennenswerten Zerstörungsorgien und Schlagabtäuschen kommt, muss sich „Frankenstein und die Monster aus dem Meer“ auf seine „menschliche“ Handlung verlassen. Diese ist zwar an den Haaren herbeigezogen, aber doch recht kurzweilig umgesetzt. Die Chemie zwischen unseren Helden stimmt und der zynische Dieb Yoshimura. Akira Takarada der zuvor auf Helden abonniert war, hat hier einmal eine zwielichtigen, harten Rolle inne, kann eine gewisse Präsenz entfalten. Im Gegensatz zu den Alibi-Figuren anderer kaijus nerven die menschlichen Helden hier, trotz einzelner Klamauk-Einlagen, nicht so sehr und entwickeln im Rahmen der Möglichkeiten auch Charakter. Da die drei nicht einfach so auf einer Insel stranden können, wurde noch eine mysteriöse Geheimorganisation mit in den Topf geworfen. Die nennt sich „Roter Bambus“ und gebärdet sich wie aus einem James-Bond-Film oder vielmehr aus dessen billigen Imitaten der 60er Jahre entsprungen. Was der „Rote Bambus“ da eigentlich treibt, was sein Ziel ist und wieso er über eine eigene Fliegerstaffel verfügt, wird nicht erklärt – ist aber für den Film auch völlig unwichtig. Wichtig ist nur, dass der „Rote Bambus“ böse ist und eine schicke Basis besitzt, die sich vorzüglich zum platt Trampeln eignet.

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Auch wenn „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ nicht zu den besten Godzilla-Filmen zählt, so ist er doch ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Serie. Ursprünglich als King-Kong-Film geplant, benimmt sich Godzilla hier reichlich „affig“ und legt den Grundstein für seine weitere Karriere als „Menschenfreund“. Das flotte Tempo der Inszenierung, tröstet über mach ärmlich aussehende Sets und Kostüme hinweg.

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Wie gewohnt lässt die Anolis-Veröffentlichung im Rahmen der „Kaiju Classics“ keine Wünsche offen. Im schicken Steelcase befinden sich gleich zwei DVDs. Eine mit der japanischen Fassung und eine mit der deutschen Kinofassung. Mir sind allerdings bis auf den Vor- und Abspann keine Unterschiede zwischen beiden Fassungen aufgefallen. Auch von der Bildqualität wissen beiden absolut zu überzeugen. Während die japanische Fassung neben der deutschen Synchro noch die englische Synchronisatation und natürlich die zu bevorzugende japanischen Tonspur enthält, ist es bei der Kinofassung nur die deutsche. Die Extras fallen etwas magerer aus als üblich. Die Japan-Fassung enthält wieder einen Audiokommentar des eingespielten Experten-Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber. Dort zu finden ist auch der japanische Trailer und reichlich internationales Werbematerial in einer selbstlaufenden und mit Musik unterlegten Bildgalerie. Sehr schräg ist die knapp 5-minütige, japanische Super-8-Fassung, die nur wenig Material aus „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ enthält, diese aber mit Szenen aus einem anderen Godzilla-Film anreichert und eine ganz andere Geschichte als der eigentliche Film erzählt. Auf der Disc mit der deutschen Kinofassung findet man dann den deutschen Trailer und das deutsche Werbematerial.  Das 20-seitige und hübsch bebilderte Booklet enthält einen gut geschriebenen und höchst informativen Text von Ingo Strecker. Ferner liegt noch ein Gutschein für den Kauf einer späteren Blu-ray-Veröffentlichung bei, der den Preis von € 14.99 auf € 5,99 senkt.

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