DVD-Rezension: “Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle”

Von , 16. Dezember 2014 21:28

Fighting MadTom Hunter (Peter Fonda) kehrt zusammen mit seinem Sohn Dylan (Gino Franco) auf die väterliche Ranch zurück. Dort muss er allerdings feststellen, dass sich der skrupellose Industrielle Pierce Crabtree (Philip Carey) in der Gegend breit gemacht hat und den Farmern ihr Land abpresst, um in der Nähe ein großes Kraftwerk zu bauen. Auch Toms Vater Jeff (John Doucette) und sein Bruder Charlie (Scott Glenn) werden von Crabtree bedroht. Insbesondere Charlie leistet erbitterten Widerstand, weshalb Crabtree seine Schläger zu ihm schickt, um ihn und seine schwangere Frau aus dem Wege zu räumen. Nach Charlies grausamen Tod, macht sich Tom daran, zu beweisen, dass sein Bruder umgebracht wurde. Damit gerät auch Tom ins Fadenkreuz…

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Der legendäre B-Film-Produzent Roger Corman hatte schon immer ein Näschen für die momentane n Filmmoden. Nachdem die Filme „Billy Jack“, „Der Große aus dem Dunkeln“ und „Kesse Mary – Irrer Larry“ an den Kinokassen recht erfolgreich waren, sollten die scheinbar erfolgreichsten Elemente dieser Filme zu einer neuen Corman-Produktion verschmolzen werden. Wie so oft, gab Corman bei der Regie einem jungen Talent eine Chance. Jonathan Demme hatte für Corman bereits den heutigen Kultfilm „Caged Heat – Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ und „Crazy Mama“ inszeniert. „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ war der letzte Film, den er für seinen Mentor inszenierte. Kurze Zeit später sollte er mit dem wegweisenden Konzertfilm „Stop Making Sense“ mit den Talking Heads für Furore sorgen und 1992 den Regie-Oscar für sein „Schweigen der Lämmer“ erhalten. Bei den nächsten Oscars konnte sein Aids-Drama „Philadelphia“ mit Tom Hanks ebenfalls kräftig abräumen. An diese großen Erfolge konnte er in der Folge dann nicht mehr anknüpfen. Allein sein Remake von „Der Manchurian Kandidat“ brachte ihn noch einmal einem größeren Publikum in Erinnerung. Ansonsten dominieren TV-Arbeiten und Musikvideos. „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ macht noch nicht den Eindruck, dass hier ein zukünftiger Oscar-Gewinner das Zepter schwingt, man erkennt aber durchaus, dass hier jemand am Werk ist, der seine Materie versteht.

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„Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“, oder „Fighting Mad“, wie der treffende Original-Titel lautet, ist eine gute Ergänzung zu „Vigilante Force – Die Gewalt sind wir“ (Kritik hier), der ebenfalls vor Kurzem bei Explosive Media erschienen ist und wie „Fighting Mad“ aus der AIP-Schmiede stammt. Und der letzten Endes auch der bessere Film ist, hat er doch mit Kris Kristoffersen einen charismatischen und gefährlichen Schurken. Eine Qualität, die „Fighting Mad“ leider vollkommen abgeht. Allenfalls der Sonnenhut-bewehrte, etwas dickliche Handlanger stellt so etwas wie eine erinnerungswürdige Bedrohung dar. Der von Philip Carey gespielte Hauptschurken bleibt ebenso abziehbildhaft und blass, wie die anderen Streiter auf der bösen Seite. Die ambivalente Rolle des Sheriffs könnte zwar interessant sein, doch das Drehbuch vernachlässigt ihn sträflich. Auch der Held, der von Peter Fonda gegeben wird, kann kein besonderes Profil gewinnen. Peter Fonda hatte sich zwar mit „Easy Rider“ als eine Ikone der Gegenkultur etabliert, dieser Ruhm verblasste allerdings schnell, angesichts seiner Auftritte in preisgünstigen Action-Thrillern. In diesen sollte er als harter und zorniger junger Mann aufgebaut werden.

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In „Fighting Mad“ funktioniert dies aber nur bedingt. Abgesehen von seinen manchmal cholerisch und auch unnötig anmutenden Wutausbrüchen, wirkt sein Tom Hunter eher wie eine linker Lehrer, den es zufällig auf eine Farm verschlagen hat. Außer Wut, scheint er keinerlei großen Gefühle zu hege. Auch als sein Bruder brutal ermordet wird, ist von tiefer Trauer nicht viel zu spüren. Nur in einer einzigen Szenen, in der er erst seinen Sohn anraunzt und dann doch reumütig und voller Liebe zu ihm geht, deutet sich ein Potential an, welches der Film und sein Hauptdarsteller aber sonst an keiner Stelle wirklich ausschöpfen. Vielmehr bleiben dem Zuschauer die handelnden Charaktere herzlich egal. Tom Hunter agiert häufig unsympathisch und auch seiner Freundin Lorene gegenüber nicht besonders liebevoll. Auch sein Vater kann – obwohl die Figur darauf angelegt ist – nicht das emotionale Loch füllen, welches das Drehbuch hinterlässt. Einzig Lynn Lowry kann als Lorene ein wenig menschliche Wärmen einbringen. Die lebendigsten und interessantesten Figuren sind allerdings der von Scott Glenn gespielte Bruder des Helden und seine Frau. Leider werden beide schon früh durch einen ausgesprochen brutal inszenierten Mord aus der Handlung entfernt.

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Wie schon „Vigilante Force“ hat auch „Fighting Mad“ eine erzreaktionäre Botschaft: Wenn dem guten Amerikaner sein Land weggenommen werden soll, so rechtfertigt dies alle Mittel, um sich zu wehren. Und das wirksamste Mittel gegen die Gewalt ist Gegengewalt, die hier völlig ironiefrei und ungebrochen zelebriert und für gut befunden wird, wie das merkwürdig fröhliche Schlussbild suggeriert. Der sadistische Mord an Tom Hunters Bruder und Schwägerin und Hunters finaler und ausgesprochen blutig inszenierter Rachefeldzug bilden die beiden Höhepunkte des Filmes. Zwischen diesen passiert zwar einiges, aber nichts davon bleibt wirklich nachhaltig im Gedächtnis hängen. Abgesehen vielleicht von einem völlig an den Haaren herbeigezogenen Mord an einem Richter, der auch wie aus einem anderen Film hineingeschnitten wirkt und die Nacktszenen der zauberhaften Lynn Lowry. Ebenfalls im Gedächtnis, wenn auch aus weniger erfreulichen Gründen, bleibt der zum Teil schrecklich dudelnde Synthie-Sountrack von Bruce Langhorne, der auf Peter Fondas speziellen Wunsch mit an Bord gebracht wurde.

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Zwischen zwei brutalen und packend inszenierten Höhepunkten, kommt „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ nicht wirklich vom Fleck, was auch an seinem nicht wirklich sympathischem Helden und den blassen Nebenfiguren liegt. Dafür, dass hier der zukünftige Oscar-Gewinner Jonathan Demme seine letzte Roger-Corman-Produktion abliefert, ist das Endergebnis etwas enttäuschend.

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Die Bildqualität der bei Explosive Media herausgekommenen DVD ist im mittleren Sektor anzusiedeln, und reißt nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin. Allerdings erscheint sie dem dreckigen, kleinen Film durchaus angemessen. Die englische Tonspur ist etwas leise und besonders die Geräusche und Hintergrundmusik verschwinden etwas. Daher ist der deutsche Ton hier ausnahmsweise einmal vorzuziehen, wenngleich man ihm sein Alter durchaus anhört. An Extras gibt es nur den Trailer und eine Trailershow zum restlichen Programm des Labels.

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