DVD-Rezension: “The Suspect”

Von , 23. September 2014 20:42

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Ji Dong Cheol (Gong Yoo), ein ehemaliger Top-Agent der nordkoreanischen Armee, hat seinem Heimatland den Rücken gekehrt, nachdem seine Vorgesetzten ihn des Verrats bezeichnet haben, ihn brutal folterten und seine Familie töteten. Nun arbeitet der Flüchtling für einen mächtigen Firmenboss, der ebenfalls einst aus Nordkorea flüchtete. Doch das ruhige Leben wird jäh unterbrochen, als sein Chef von professionellen Killern umgebracht wird und der Verdacht auf Ji Dong Cheol gelenkt wird. Diesem gelingt es zu fliehen. Ji Dong Cheol verfolgt nun nur noch ein Ziele: Den Mann zu finden, der für den Tod seiner Familie verantwortlich ist, bevor er vom südkoreanischen Geheimdienst geschnappt wird…

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Das südkoreanische Actionkino scheint sein Lieblingsthema gefunden zu haben. Innerhalb kurzer Zeit erscheint nun, nach „The Berlin File“ (Kritik hier) und „Silent Assassin“ (Kritik hier), schon der dritte Hochglanz-Thriller, dessen Hauptfigur ein nordkoreanischer Spion mit tödlichen Eigenschaften ist. Es scheint beinahe so, als wolle die südkoreanische Filmindustrie mit Macht die Parole ausrufen: Die Leute im Norden sind nicht schlecht, nur das Regime ist es. Vielleicht spielt hier auch eine große Sehnsucht der südkoreanischen Menschen nach einer friedlichen Wiedervereinigung mit den Brüdern und Schwestern im Norden eine große Rolle. Immerhin konnten alle drei Film an der Kinokasse überzeugen. Laut Werbung auf dem Cover haben „The Suspect“ immerhin 4 Millionen Südkoreaner gesehen, was 8% der Bevölkerung entspricht.

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Gleich zu Beginn wird der Kurs des Filmes festgezurrt. Es werden Dokumentaraufnahmen von Flüchtlingen aus dem Norden gezeigt, die in Tränen aufgelöst von den Schrecken des nordkoreanischen Regimes berichten. Auch später wird die Ausbildung der Agenten und der Umgang der Vorgesetzten mit ihren Untergebenen als unmenschlich und grausam geschildert. Interessanterweise sind es in „The Suspect“ dann aber keine nordkoreanischen Killer, die es auf den Helden abgesehen haben, sondern ein durch und durch korrupter südkoreanischer Geheimdienstchef. Selbstverständlich gibt es in Geheimdienstkreisen aber auch einen aufrechten General, der zwar als verbohrt und ruppig eingeführt wird, später dann aber doch auf Seiten der Gerechtigkeit steht. Dieser wird dann auch gleich in einer spektakulären Sequenz eingeführt, welche ihm nicht nur waghalsiges Draufgängertum, sondern auch unbedingte Loyalität zu seinen Untergeben (also umgekehrt zu dem, was man in Rückblenden über die oberen Militärs ins Nordkorea erfährt) attestiert. Mit Park Hee Soon, der den General Min Se Hoon ebenso cool wie handgreiflich gibt, hat man auch den idealen Darsteller für diese Figur gefunden.

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Der Held der Geschichte, der Flüchtling und Ex-Elite-Spion Ji Dong Cheol wird von Gong Yoo gespielt, der in Südkorea ein großer Star ist, aber weniger mit Actionfilmen assoziiert wird, als vielmehr für romantische Komödien und TV-Serien. Vielleicht wird gerade deshalb ständig seine Körperlichkeit betont, wenn die Kamera z.B. in einer Free-Climbing-Szene immer wieder um seinen schweißnassen, muskulösen Körper herumfährt und gar nicht genug von seinem Six-Pack bekommen kann. Zudem scheint Gong Yoo viele der Action-Szene auch tatsächlich selber auszuführen, was dem Film etwas mehr Realismus verschafft. Die Geschichte bleibt zunächst einmal durchaus nachvollziehbar, bis sie sich zum Ende hin in immer neue Höhen aufschwingt, die dann mehr mit der Filmwelt, als mit dem wahren Leben zu tun hat.

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Die Kameraführung bemüht sich um maximale Dynamik und ist offensichtlich der „Bourne“-Reihe abgeschaut. Ständig muss geschnitten werden, kaum eine Einstellung verharrt für mehrere Sekunden. Das funktioniert auch recht gut, denn die Actionszenen kommen einem tatsächlich rasant und nicht übermäßig nervig vor. Generell legt der Film ein ungeheures Tempo vor, so dass seine epischen 131 Minuten wie im Fluge vergehen. Höhepunkt ist sicherlich eine beeindruckende Autoverfolgungsjagd, die durch die engen Gassen auf den Hügeln Seouls führt. Immer wieder kreist die Kamera aus einiger Höhe um die Figuren, werden Fenster und Türen durchsiebt und Dinge in die Luft gesprengt. Und selbstverständlich wird auch immer wieder Mann gegen Mann gekämpft, was zwar durch die schnelle Schnitten und die Fokussierung auf Detailaufnahmen zwar recht unübersichtlich gestaltet ist, aber eine rohe Energie vermittelt. In Bezug auf die Action, kann man „The Suspect“ also nichts vorwerfen.

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Allerdings hätte das Drehbuch einerseits etwa straffer und andererseits auch etwas weniger klischeehaft sein können. Nachdem man erst einmal eine halbe Stunde gebraucht hat, um sich zu orientieren, zu verstehen welche Figur welche Aufgabe hat und was generell gerade vor sich geht, bietet das Drehbuch keine großen Überraschungen mehr. Man kann sehr schnell vorhersagen, wie es weitergehen wird und keine der Figuren bricht aus ihrem Rollenschema aus. So ist es dann auch keine Überraschung mehr, dass sich sehr bald der schleimige Geheimdienstchef als Kopf hinter der ganzen Intrige herausstellt. Gleich wenn Jo Sung Ha als Kim Seok-ho das Bild betritt, ist klar, worauf die Sache hinauslaufen wird. Und Jo Sung Ha gibt dem Affen auch ordentlich Zucker, grimassiert, schwitzt und grinst irre. Man könnte ihm auch gleich mit einem dicken Stempel „Schurke“ auf die Stirn hämmern. Angenehm fällt allerdings Yoo Da In in der Rolle der Reporterin Choi Kyeong-hee auf. Diese Standardrolle neigt ja im allgemeinen dazu, recht nervig gezeichnet zu werden. Doch Yoo Da In hält sich im Zaum, weshalb einem Choi Kyeong-hee durchaus sympathisch wird und man wenigstens ein wenig um sie bangen kann.

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Die bombastische Filmmusik orientiert sich deutlich an dem mittlerweile typischen Hans-Zimmer-Sound mit denen die Filme eines Michael Bay und Konsorten in der Regel aufwarten. Auch das Drehbuch wirkt an einigen Stellen etwas überladen, gönnt sich aber am Ende eine schöne, pazifistische Pointe, die dem Norden des Landes symbolisch die Hand reicht und dem Wunsch der Koreaner, endlich in Frieden mit den Nachbarn leben zu können, Ausdruck verleiht. Nicht um Tod und Vernichtung geht es da letztendlich, sondern um humanitäre Hilfe und Brot für die Welt. Überhaupt endet der Film auf einer ungewohnt positiven Note, die seinen Vorgängern gänzlich abging. Ob man dies nun als seine Schwäche oder Stärke ansehen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

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„The Suspect“ ist innerhalb kürzester Zeit nun schon der dritte südkoreanische Hochglanz-Thriller der einen nordkoreanischen Agenten zum Helden hat. Die epischen 131 Minuten vergehen dank pausenloser, explosiver Action, einem soliden Drehbuch und guten Darstellern wie im Flug. Große Überraschungen bietet der Film allerdings nicht.

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Die Splendid-DVD zeichnet sich durch ein ausgezeichnetes Bild und einen klaren Ton aus. Die Synchronisation ist annehmbar. Extras sind – bis auf die obligatorischen Werbe-Trailer für andere Splendid-DVDs, die nervigerweise beim Einlegen der DVD automatisch starten – keine vorhanden.

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