DVD-Rezension: „80 000 Meilen durch den Weltraum“

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Die geheime Regierungsorganisation S.H.A.D.O. (Supreme Headquarters Alien Defence Organisation) kämpft gegen Außerirdische, die Menschen entführen, um diese als Ersatzteillager zu missbrauchen.

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80 000 Meilen durch den Weltraum“. Das klingt nach Abenteuern auf fernen Welten, nach Jules Verne und Reisen durch fremde Galaxien. Dummerweise hat der deutsche Titel aber nichts mit dem hier vorliegenden Film zu tun. Dieser ist der Zusammenschnitt dreier Folgen der britischen Serie „U.F.O.“. Durch das All wird zwar geflogen, aber lediglich bis zum Mond, wo die geheimnisvolle Organisation „S.H.A.D.O.“ – welche die Erde vor Körper raubende Aliens verteidigt – eine Basis besitzt. Fast 90% des Filmes spielt allerdings auf der Erde. In einem futuristischen England des Jahres 1980, um genau zu gehen. Denn obwohl „80.000 Meilen durch den Weltraum“ erst 1977 in die deutschen Kinos kam, stammt die Originalserie aus dem Jahre 1969 – und da lag das Jahr 1980 noch in der Zukunft. Deshalb wurden aus dieser Fassung dann auch kurzerhand alle Zeitangaben entfernt. Dass das Material allerdings weitaus älter ist, als einem weiß gemacht werden sollte, merkt man schnell, denn „U.F.O.“ war mit seinem poppigen Perücken und den hübsch geschneiderten Anzügen stark in seiner Zeit verhaftet und wirkt älter als z.B. die zur gleichen Zeit entstandene Kult-Serie „Raumschiff Enterprise“.

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Versucht man etwas mehr über diesen Zusammenschnitt herauszufinden, stößt man schnell auf Widersprüche. In der IMDb wird angegeben, dass der Film 1974 als „Invasion: UFO“ entstanden sei. In den internen Reviews dort, wird davon gesprochen, dass es sich um einen Zusammenschnitt der Folgen „Identified“, „Computer Affair“ und „Reflections in the Water“ handeln würde. Liest man sich allerdings die Inhaltsangaben dieser drei Folgen durch, so haben sie nichts mit „80.000 Meilen durch den Weltraum“ zu tun. Auch die OFDb verweist auf „Invasion: UFO“, hat aber 1972 als Produktionsjahr angeben. In weiterführenden Informationen weist der User Moonshade darauf hin, dass hier die Folgen „The Cat with Ten Lives“, „Psychobombs“ und „Timelash“ zusammengemischt wurden. Was – liest man wiederum die Inhaltsangaben dieser Folgen – auch korrekt ist. Um die Konfusion noch komplett zu machen, scheint es auch einen italienisch produzierten Zusammenschnitt namens „UFO …annientare S.H.A.D.O. stop. Uccidete Straker…“, der ebenfalls von 1974 stammen soll und bei dem als Regisseur einen Alan Perry hatte. Dieser hat auch fünf Folgen der Serie inszeniert, aber keine der oben genannten. Diese Version wurde in Deutschland dann „Weltraum-Kommando S.H.A.D.O.“ auf Video veröffentlicht. Natürlich mit einem Cover und einem Klappentext, der nichts mit „U.F.O.“ zu tun hat. Laut Wikipedia wurden in Italien noch mehrere U.F.O.-Zusammenschnitte produziert und der hier vorliegende Spielfilm ist mit „Allarme rosso… Attacco alla Terra!“ von 1973 identisch (der laut IMDb wiederum ein Alternativtitel zu „Invasion: UFO“ sein soll).

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Vor diesem Hintergrund ist der Film natürlich schwer zu beurteilen. Die drei Folgen wurden gnadenlos gekürzt, um in das viel zu geringen Zeitraster von 80 Minuten zu passen. Zudem sind die Episoden ziemlich wahllos ausgewählt und haben auch keinen Zusammenhang. Von der Tatsache natürlich abgesehen, dass in allen gegen die Aliens gekämpft wird, was allerdings für jede Folge der Serie gilt. Dadurch wird es dem Zuschauer unmöglich gemacht, mit irgendeiner der handelnden Personen eine emotionale Bindung einzugehen. Auch die Hauptfigur Commander Ed Straker (gespielt von Ed Bishop) bleibt einem fremd. Von den in der Serie wichtigen Nebenfiguren, ganz zu schweigen. Am Anfang glaubt man noch, Lt. Jim Regan würde eine wichtige Rolle spielen, und er ist auch einer der wenigen, denen so etwas wie eine Charakterentwicklung zugestanden wird. Doch nach 20 Minuten stellt sich heraus, dass er nur Gaststar der Woche war. Und das war es dann mit ihm. Immerhin ist diese Erkenntnis für Leute, die die Serie nicht kennen, für eine dicke Überraschung gut. Da der Folge fast die Hälfte ihrer Spielzeit fehlt, wirkt vieles gehetzt und abgehakt. Insbesondere die Geschichte mit der Katze sorgt eher für Kopfkratzen, als für Spannung.

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Ähnliches gilt für die zweite Episode, die einfach hinter das plötzliche Ende der ersten geklatscht wurde. Bevor man sich überhaupt orientieren kann, wer denn nun plötzlich die neuen Figuren sind und was mit ihnen geschieht, ist sie fast wieder vorbei. Außerdem taucht plötzlich eine in der Serie scheinbar nicht ganz unwichtige Nebenfigur auf – doch ohne dieses Hintergrundwissen, fragt man sich nur, warum jetzt plötzlich eine der „Besessenen“ bei ihm auftaucht, ohne dass er Verdacht schöpft. Dass es sich bei der Dame um seine Sekretärin handelt, wird irgendwann später nachgeschoben. Besagte Sekretärin wird von der höchst attraktiven Deborah Grant gespielt, die mit ihren sexy Kostümen für ein erotisches Highlight sorgt. Bei der dritten Episode, die plötzlich und ohne Vorwarnung scheinbar mittendrin beginnt, sind dann nur noch große Fragezeichen vor den Augen angesagt. Zwar ist die Idee von der extremen Beschleunigung, die die Umwelt zum Erstarren bringt sehr interessant – wenn auch offensichtlich aus der „Raumschiff Enterprise“-Folge „Was summt denn da?“ geklaut – aber die Umsetzung ist weniger ansprechend geraten. Was neben offensichtlichen Logikfehlern (Warum bewegen sich alle Dinge in der „schnellen Welt“ ganz normal und nur die Bewegungen der Menschen sind verlangsamt? Gut, das hatte mich auch schon bei der besagten „Enterprise“-Folge gestört), die aber wahrscheinlich auch den massiven Kürzungen geschuldet ist. Wer ist der Typ, der versucht Starker zu töten? Was ist sein Motiv? Wieso sind Starker und seine Kameradin überhaupt in diese Situation geraten? Und weshalb dreht Starker am Ende bzw. Anfang plötzlich durch? Nach dieser Folge endet der Film dann abrupt, ohne dass irgendwas aufgelöst wird. Kinobesucher, die 1977, ohne das Wissen, hier drei stark gekürzte TV-Folgen vorgesetzt zu bekommen, ihr sauer verdientes Geld für ein Ticket hingelegt hat, haben wahrscheinlich vor Wut seinen Cola-Becher gegen die Leinwand gefeuert. Und auch die heutige Käufer der DVD sind wahrscheinlich recht verärgert.

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Wobei man der Serie damit vermutlich (ich habe sie noch nicht gesehen) Unrecht tut. Was man in dem Torso, den „80.000 Meilen durch den Weltraum“ darstellt, sieht, sind liebevoll gemachte Miniaturmodelle, die an die vorangegangen Produktionen des „U.F.O.“-Schöpfers Gerry Anderson erinnern. Zuvor waren seine Hauptdarsteller nämlich Marionetten, z.B. bei der Kultserie „Thunderbirds“ und auch bei „U.F.O.“ sind die Special Effekts deutlich als Modelle zu erkennen, die direkt aus dieser früheren Serie stammen könnten. Die Raumschiffe, die Unterseeboote und Panzer sind aber mit viel Liebe zum Detail und Fantasie gebaut worden, und es macht Spaß, sie anzuschauen. Auch die Idee, die auf der Mondbasis stationierten S.H.A.D.O.-Mitglieder als attraktive Frauen mit farbenfrohen Perücken darzustellen, ist charmant, und hiervon hätte man sehr gerne mehr gesehen. Nur gönnt einem dieser Zusammenschnitt dies nicht. Wenn es hochkommt, sieht man die Mondbasis gerade mal eine Minute. Schön auch der Zeitkolorit, der die ausgehenden 60er Jahre zu keinem Zeitpunkt verschleiert. Interessanterweise wurde bei diversen Actionszenen das John-Barry-Stück „007“ verwendet. Es würde mich interessieren, ob dies nachträglich für „80.000 Meilen durch den Weltraum“ hinzugefügt wurde, oder auch in der Originalserie zu hören war.

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„80.000 Meilen durch den Weltraum“ ist der Zusammenschnitt dreier zusammenhangloser Folgen der Serie „U.F.O.“ von 1969. Obwohl durch charmanten Zeitkolorit, liebevollen Kulissen und Miniaturmodelle recht sympathisch, muss man sich fragen, welchen Sinn es macht, drei Episoden einer TV-Serie massiv zu kürzen, aneinander zu klatschen und als Spielfilm zu verkaufen. Das Ergebnis ist sprunghaft, in sich nicht konsistent und manchmal schlichtweg nicht nachvollziehbar. Von irgendeiner Bindung zu den Figuren, ganz zu schweigen. Fazit: Braucht kein Mensch. Lieber die Originalserie ansehen.

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Die DVD von Ascot Elite kann man nun wirklich nicht als Prachtexemplar bezeichnen. Die Bildqualität (4:3 – klar, ist ja auch TV) ist bestenfalls durchschnittlich, oftmals liegt sie noch darunter. Es gibt nur deutschen Ton (wahrscheinlich wurden in der Synchronisation die Übergänge von Episode zu Episode etwas geglättet und die massiven Kürzungen retuschiert) und die Extras sind mit etwas Promomaterial zur Serie „U.F.O.“ auch mau. Dafür gibt es ein Wendecover mit einem weitaus schickeren – wenn auch noch mehr in die Irre leitenden – Motiv. „Cinema Treasures“? Für diese Veröffentlichung eher nicht.

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