21. Internationales Filmfest Oldenburg: Philippe Mora – Ehrenpreis und Retrospektive

moraPhilippe Mora? Philippe Mora? Den Namen kenne ich doch? Da war doch was? Ja, genau: „Das Tier II“. Die kunterbunte Comic-Trash-Fortsetzung des großartigen Werwolf-Klassikers von Joe Dante. Der Film, in dem Sybil Danning im Abspann gefühlte 100x ihre Lederkorsett aufreißt und zeigt, was sie da so gut eingepackt hat. Oder wie ein Freund gerade meinte: „Der lustigste Film, der eigentlich zum Heulen ist – und das im doppelten Sinn!“. Ja, genau, der war von einem Philippe Mora. Und dem soll nun die Retrospektive auf dem 21. Internationalen Filmfestival Oldenburg als Ehrengast mit dem German Independence Honorary Award geehrt? Das sorgt erst einmal für Kopfkratzen. Aber wie bei Ted“Rambo“ Kotcheff im letzten Jahr, lohnt es sich, nicht nur einen Blick auf einen Film zu werfen, sondern sich mit dem gesamten Oeuvre des Künstlers zu beschäftigen. Und dieses ist bei Philippe Mora ebenso interessant, wie vielseitig. Ich zitiere einfach mal die Pressemitteilung.

Das Internationale Filmfest Oldenburg feiert mit der Philippe Mora Retrospektive einen der erstaunlichsten und vielschichtigsten Filmemacher unserer Zeit. Australiens solitärer Nouvelle-Vague Künstler, getrieben von historischer Spurensuche und unerschöpflicher kreativer Energie. Patensohn von Marcel Marceau, Zimmergenosse von Eric Clapton, die Entdeckung der Londoner Kunstszene der 60er Jahre, Pionier des australischen Kinos in den Vereinigten Staaten, Ikone des Horrorkinos der 80er und unermüdlicher Filmdokumentarist.

Mora kam 1949 in Paris als Sohn eines deutsch-jüdischen Résistance-Kämpfers und einer französisch-jüdischen Künstlerin zur Welt. Die Familie zog kurz darauf nach Melbourne, wo seine Eltern eine der einflussreichsten Kunstgalerien ihrer Zeit gründeten. Genau wie seine Geschwister wuchs er zu einem erfolgreichen Künstler heran. Seine ersten Filme drehte Mora schon als Teenager in Australien – eine Parodie der „West Side Story“ und eine Hommage an Fellinis „Achteinhalb“ – bevor es ihn als 17-jährigen nach England trieb und er tief ins pulsierende Herz Londons und der wilden 60er eintauchte. Er wurde zum erfolgreichen Kunst-Newcomer – mit Ausstellungen in London und später in Deutschland, wo er sich an Joseph Beuys’ und Erwin Heerischs Befreiung des deutschen Kunstmarkts beteiligte.

Als Filmemacher sorgte Mora kurz darauf zunächst mit seinen Dokumentationen für Aufsehen – insbesondere natürlich mit „Swastika“, in dem er alltägliche Aufnahmen aus Eva Brauns Privatarchiv Bildern der Nazi-Propagandamaschine gegenüberstellte und einen bis zu dem Zeitpunkt unbekannten Blickwinkel auf die Naziherrschaft erlaubte. Der Film löste bei seiner Premiere in Cannes 1973 einen veritablen Skandal aus und die Vorführung wurde gestoppt.

Sein nächster wichtiger Karrieresprung begann mit seiner Rückkehr nach Australien. Mitte der 70er Jahre hatte er mit dem Outlaw-Biopic „Mad Dog – Der Rebell“ mit Dennis Hopper in der Titelrolle nicht nur in seiner Heimat Erfolg, sondern durfte sich als einer der ersten australischen Regisseure über einen landesweiten Verleih in den USA freuen. Der Film gilt heute als einer der herausragenden Australischen Filme der Dekade. Einige Jahre später gab er dann sein US-Debüt mit dem hintersinnigen Horrorfilm „Das Engelsgesicht“. Zurück in seiner Heimat inspirierten ihn seine Hollywood Erfahrungen zu der ausgelassenen Superhelden Persiflage „The Return of Captain Invincible“, der sich schnell zu einem Kultfilm entwickelte. Es folgten der Ökothriller „Die Brut des Adlers“ und seine beiden Fortsetzungen von Joe Dantes „Das Tier“, mit denen er sich eine große und dauerhafte Anhängerschaft unter Genrefans sicherte.

Nach der Jahrtausendwende widmete sich Mora dann wieder häufiger der dokumentarischen Geschichtsaufarbeitung, sei es mit seinem Ausflug in die 60er, „The Times They Ain’t a Changin’“ oder mit „German Sons“, einem Film, in dem er gemeinsam mit seinem Freund Harald Großkopf ihre beiden Herkunftsgeschichten erzählt – auf der einen Seite Mora als Sohn eines deutschen Juden und Resistance Kämpfers, auf der anderen Seite Großkopf als Sohn eines Nazis.

Auch Moras jüngste Werke sehen sich in der Geschichte um – aber diesmal als Spielfilme – zum Einen „Absolutely Modern“ mit seiner modernistischen Story über die Moderne, und zum Anderen mit „The Sound of Spying“, einem Musical über die Spione des kalten Kriegs.

Das 21. Filmfest Oldenburg widmet dem visionären, einzigartigen Philippe Mora die diesjährige Retrospektive und zeigt eine Auswahl seiner bemerkenswerten Kinowerke. Mora wird über den gesamten Zeitraum des Festivals Gast in Oldenburg sein und am 12. September im Rahmen der Mid-Gala den Ehrenpreis des German Independence Awards überreicht bekommen.

Das klingt doch sehr spannend und ich finde es großartig, dass das Filmfestival Oldenburg wieder einen Filmemacher ehrt, den man nicht unbedingt auf dem Zettel hat. Der auf sich dann aber auf dem zweiten Blick als sehr aufregender Filmemacher entpuppt.

 

Zum Abschluss dieses Postings muss das hier aber noch sein.
Der Abspann von Moras „Das Tier II“.

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🙂

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2 Antworten zu 21. Internationales Filmfest Oldenburg: Philippe Mora – Ehrenpreis und Retrospektive

  1. gabelingeber sagt:

    Das klingt ja wahrlich interessant! Ich staune immer wieder, wieviele interessante Regisseure ich NICHT kenne. Wenn ich mir Moras Filmografie anschaue -da steht Shakespeares „Richard III“ neben „Das Tier III“ – dann bekomme ich richtig Lust, den Typ und seine Filme kennenzulernen. Insbesondere jenen mit dem wohlklingenen Titel „Pterodactyl Woman from Beverly Hills“!

  2. Marco Koch sagt:

    Na, dann komm doch nach Oldenburg und treffe ihn persönlich. Das Festival ist auch sonst sehr sympathisch und es gibt eigentlich keine Probleme, auch mal mit den Gästen zu schnacken.

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