Blu-ray Rezension: “In den Klauen der Tiefe“

Layout 1Während einer archäologischen Ausgrabung irgendwo in Asien, entdecken Dr. Roger Bentley (John Agar) und sein Team ein geheimnisvolles Artefakt, welches sie zu den Ruinen einer untergegangenen Zivilisation hoch in den Bergen führt. Durch ein Erdbeben entdecken sie zufällig einen Zugang zum Inneren des Berges, welcher tief hinab unter die Erdoberfläche führt. Dort treffen sie auf die Nachfahren der Sumerer, die einst vor einer großen Flut in die Berge flüchteten und nun schon seit vielen Jahrhunderten unter der Erde leben. Durch die lange Zeit ohne Sonne haben sie ihre Pigmente verloren und sind extrem lichtempfindlich geworden. Dies nutz Bentley aus, den mithilfe seiner Taschenlampe kann er ihnen vorgaukeln von ihrer Göttin Ishtar geschickt worden zu sein. Bald schon stellen Dr. Roger Bentley und seine Männer fest, dass noch ein anderes Volk hier lebt: Das unheimliche Maulwurf-Volk, welches von den Sumerern gnadenlos ausgebeutet wird…

Virgil W. Vogel war eigentlich bei Universal für den Schnitt verantwortlich, fühlte sich aber zu Höherem berufen und wurde 1956 tatsächlich das erste Mal mit der Regie eines Spielfilms betraut. „In den Klauen der Tiefe“ war ein kleiner B-Film, aber für Vogel durchaus der Start zu einer veritablen Karriere im Regie-Fach, wobei er sich hier schon bald auf das Fernsehen konzentrierte und bis 1996 bei zahlreichen TV-Serien, wie „Miami Vice„, „Magnum“ oder „Airwolf“ mitmischte. Auch der Drehbuchautor László Görög kam vom Fernsehen und arbeitete fast ausschließlich in diesem Medium. „In den Klauen der Tiefe“ war, wie auch der im folgenden Jahr – wieder mit Virgil W. Vogel auf dem Regiestuhl – entstandene „Der Flug zur Hölle“ und „Earth Vs. the Spider„, einer seiner sehr seltenen Spielfilm-Ausflüge. Interessanterweise erinnert „In den Klauen der Tiefe“ auch an eine TV-Serie. Konkret an „Raumschiff Enterprise„. Der von John Agar gespielte Dr. Roger Bentley könnte ein Vorfahre von Captain Kirk sein, sein von Hugh Beaumont gespielter Partner Dr. Jud Bellamin erinnert stark an Dr. McCoy. Auch die fremde, autoritäre Kultur, der demokratische, amerikanische Werte beigebracht werden müssen, erinnert an so manch vergleichbare Situation in der legendären SF-Serie. Und natürlich tragen die unwirklichen, als solche deutliche zu erkennenden, Matte-Paintings und Felsenkulissen zu diesem Gefühl bei.

Interessant ist es, wie „In den Klauen der Tiefe“ mit dem im englischen Original titelgebenden „Maulwurf-Volk“ umgeht. Dies wird zwar aufgrund seines Aussehens zunächst als Monster eingeführt, dann aber relativ bald als unglückliches Opfer der bösen Sumerer (die als Albinos übrigens weißer als weiß sind) offenbart. Die Art, wie das (schwarze) Maulwurf-Volk als Sklaven und Wesen zweiter Klasse gehalten wird, erinnert natürlich an das Schicksal der Afro-Amerikaner, was sicherlich auch so gewollt ist. Somit kann „In den Klauen der Tiefe“ zusammen mit seinen manchmal etwas pathetischen Helden-Monologen über Freiheit und Gleichheit, durchaus als Plädoyer gegen Rassismus und autoritäre Systeme verstanden werden. Also genau die Dinge, die auch Gene Roddenberry in „Raumschiff Enterprise“ predigte. Vor diesem Hintergrund ist es schwer zu verstehen, was man in der IMDb unter „Trivia“ zu diesem Film lesen kann. Dort steht, dass das Ende auf Druck der Produzenten abgeändert wurde, weil man vermeiden wollte, dass der Eindruck einer gemischt-rassigen Beziehung entstehen könnte. Da sieht man wieder einmal, wie weit die hehren amerikanischen Werte, die das alte Hollywood gerne predigte, und die amerikanische Wirklichkeit auseinander klafften.

Zwar merkt man „In den Klauen der Tiefe“ zu jeder Zeit seinen Status als preisgünstiger B-Film an, aber Virgil W. Vogel macht das Beste daraus und versucht gar nicht erst, diese Tatsache zu verschleiern. Stattdessen wird alles in den Film geworfen, was Unterhaltung und Extravaganzen verspricht. Angefangen mit einer herrlichen Szene, in der Dr. Frank C. Baxter allerlei Theorien über die Beschaffenheit des Erdinneren erläutert. Diese sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass sogar er hier und da heimlich schmunzeln muss. Baxter war ein Professor für die englische Sprache an der University of Southern California. Bekannt wurde er allerdings durch das Fernsehen, wo er ab 1956 als „Dr. Research“ in der „The Bell Laboratory Science“-Serie auftrat. Später werden im Film dann munter sumerische Legenden, Gottheiten, biblische Bezüge, ein vergessenes Volk unter der Erde und das unheimliche Maulwurf-Volk mit in den Topf mit einer unterhaltsamen Fantasy-Suppe geworfen.

Den Helden gibt der B-Film-Held John Agar. Agar hatte eine interessante Karriere gemacht. Bekannt wurde er als Ehemann von Shirley Temple. Agars Schwester war einen Klassenkameradin von Temple und so begleitete der damalige Soldat und Fitness-Trainer die Hollywood-Bekanntheit zu einer Party. Kurz darauf heirateten die Beiden und beherrschten die Schlagzeilen der Klatschblätter. Der Nicht-Schauspieler Agar wurde daraufhin zusammen mit seiner Ehefrau für eine größere Rolle in dem John-Wayne/John-Ford-Klassiker „Bis zum letzten Mann“ engagiert, wo er ihren Verehrer spielte. Fünf Jahre später wurde die Ehe geschieden. Grund war u.a. der schwere Alkoholismus Agars. Der gutaussehende Agar bekam sein Problem aber wieder in den Griff und blieb mit Hilfe seines Freundes John Wayne im Filmgeschäft. Ab Mitte der 50er Jahre wurde er in vielen B-Filmen in der Hauptrolle besetzt. Unter diesen Filmen waren u.a. „Tarantula“ und „Die Rache des Ungeheuers„. Aber auch in Western und Kriegsfilmen war häufig als Held besetzt. Sein sympathisches Motto dabei lautete: „I don’t resent being identified with B science fiction movies at all. Why should I? Even though they were not considered top of the line, for those people that like sci-fi, I guess they were fun. My whole feeling about working as an actor is, if I give anybody any enjoyment, I’m doing my job, and that’s what counts.“(1)

„In den Klauen der Tiefe“ ist ein kleiner Film mit billigen Kulissen und eher niedlichen Monstern der preisgünstigen Sorte. Auf die Suche nach zwingenden Logik sollte man sich hier auch nicht unbedingt begeben. Der einführende Monolog zeigt schon, in welche Richtung das Ganze geht. Nichtsdestotrotz ist der Film sehr unterhaltsam ausgefallen und versprüht mit seiner etwas holprigen „Demokratie und Freiheit“-Botschaft heutzutage einen naiv-nostalgischen Charme, wie man ihn von alten „Raumschiff Enterprise“-Folgen her kennt.

Das Bild der Blu-ray ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist das Bild sehr scharf, aber man hat an einigen Stellen das Gefühl, als würde ein feines Netz über dem Bild liegen. Neben dem englischen O-Ton wurde für die letztjährige DVD-Auswertung eine deutsche Synchronisation erstellt, die sich wirklich hören lassen kann. Neben bekannten Sprechern wurde auch darauf geachtet, dass sich der Ton „echt“ anhört und nicht so kalt-unnatürlich ohne echte Hintergrundgeräusche, wie man es z.B. bei den deutschen Vertonungen, die ARD und ZDF in den 80ern und 90ern einigen Klassikern verpasst hatten. Hier klingt alles sehr harmonisch. Kompliment. Schade ist allerdings, dass es die tollen Extras der DVD-Ausgabe nicht auf die Blu-ray geschafft haben. Hier findet man nun nur zwei Trailer. Dafür ist die Blu-ray aber auch günstiger als ihr DVD-Pendant.

(1) IMDb

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