Blu-ray-Rezension: “Hotel zur Hölle“

Hotel zur HölleVincent Smith und seine Schwester Ida betreiben eine Schweinezucht und eine Räucherei, in der sie sie das beliebte „Farmer Vincent’s Smoked Meat“ herstellen. Darüber hinaus führen sie auch das Motel „ Hello“. Doch dies dient alles nur der Tarnung. In ihrer Räucherei verarbeiten sie Menschfleisch, und auch das Hotel dient in erster Linie nur dazu, Nachschub anzulocken. Ab und zu stellt Vincent auch auf der nahegelegenen Durchgangstrasse Fallen auf. Dort erwischt er eines Tages das Pärchen Bo und Terry, welches auf dem Motorrad unterwegs ist. Bo kommt dabei scheinbar um, doch an der gutaussehenden Terry findet Vincent Gefallen und nimmt sie mit nach Hause. Dort kümmert sich Vincent zunächst einmal rührend um Terry. Was seiner eifersüchtigen Schwester gar nicht passt. Und dann gibt es da noch diesen geheimnisvollen Garten hinter dem Haus…

Als der britische Regisseur Kevin Connor hielt sich schon seit drei Monaten in den USA auf und es schien nicht wirklich gut für ihn zu Laufen, da vermittelte ihm sein Agent die Regie zu „Hotel zur Hölle“. Zu diesem Zeitpunkt war der Plan noch, daraus einen ernsthaften Slasher zu machen. Das Drehbuch lag zwar schon seit zwei Jahren herum, aber nach dem überraschenden Erfolg von „Freitag, der 13.“ wollte jetzt jeder ein Stück vom blutigen Kuchen abhaben. Und so fand das „Hotel zur Hölle“-Drehbuch endlich einen Produzenten. Connor nahm die Regie an, aber unter der Bedingung, dass er aus dem Stoff eine schwarze Komödie machen und die ganz derben Effekten raus lassen könne. Die Jaffe Brüder, die den Film produzierten, sagten ihm dies zu und so kommt „Hotel zur Hölle“ heute recht harmlos, wenn auch gespickt mit einigen hübsch geschmacklosen Ideen, daher.

Connor hatte sein Handwerk bei der Hammer-Film-Konkurrenz Amicus gelernt, die für ihre Episoden-Horrorfilme berühmt waren. Uns so war Connors erster Spielfilm dann auch solch ein typisches Amicus-Vehikel: „Die Tür ins Jenseits“. Kurz darauf sollte sich Connors als Spezialist für Urzeit-Fantasy-Stoffe beweisen und drehte mit Cowboy-Darsteller Doug McClure eine Serie von Fantasy-Filmen wie „Caprona- Das vergessene Land“, „Caprona II“, „Der sechste Kontinent“ und „Tauchfahrt des Schreckens“. Auch in seinem US-Debüt „Hotel zur Hölle“ spielt ein alter Western-Veteran die Hauptrolle. Rory Calhoun war ein altes Schlachtross, das in den 50er Jahren durch eine Serie von B-Western bekannt geworden war, in denen er zunächst häufig zwielichtige Gestalten und Bösewichte spielte. Am Bekanntesten dürfte sein Auftritt als Marilyn Monroes finsterer Geliebter in „Fluss ohne Wiederkehr“ von Otto Preminger sein. In Sergio Leones erstem Spielfilm „Der Koloss von Rhodos“ spielte er dann den Helden. In den 60er und 70er war er zumeist als Gaststar in zahlreichen TV-Serien präsent. Seine Rolle in „Hotel zur Hölle“ macht ihm sichtlich Spaß. Den ganzen Film über spielt er den Farmer Vincent mit einem breiten Grinsen und nimmt die schrecklichen Vorgänge rund um sein Motel und Wursträucherei nicht besonders ernst, was dem Film auch sehr zu Gute kommt, da durch Calhouns enthusiastische Spielweise der komödiantische Aspekt noch betont wird.

Ihm zur Seite steht in einem kongenialen Besetzung-Coup Nancy Parsons, die hier eine beängstigende Mischung aus Komödie, verschlagenem Wahnsinn und gruseliger Skrupellosigkeit mitbringt. Calhoun ist zwar der Star und das Gesicht von „Hotel zur Hölle“, doch Nancy Parson das verdrehtes Herz des Filmes. Die Latzhosen und Zöpfe passen so gar nicht zu ihrem grobschlächtigen Äußeren und lassen sie durch den großen Kontrast von „kleinem Mädchen“ und dicker Frau umso unheimlicher wirken. Parson gelingen auch die kleinen Gesten. Neben dem derben Scherzen, wenn sie z.B. zwei Kinder mit einem abgetrennten Schweinekopf verschreckt, gibt es auch immer wieder die kurzen Momente, wenn nur ein Blick von ihr reicht, um zu zeigen, wie sie die Eifersucht auffrisst und in ihrem Kopf Mordpläne reifen lasst. Und wenn sie danach dann wimmernd wieder in den „kleines Mädchen“-Modus zurückfällt, hinterlässt dies ein unangenehmes Gefühl.

Neben diesem ungewöhnlichen Geschwisterpaar müssen alle anderen Darsteller verblassen. Und tatsächlich können weder Paul Linke als guter Bruder, noch Nina Axelrod als Terry irgendeinen Eindruck hinterlassen. Auch wenn Nina Axelrod in der zweiten Hälfte des Öfteren einmal blank ziehen darf. In einer winzigen Rolle kann man die zukünftige „Cheers“-Ikone John Ratzenberger entdecken. Allerdings muss man schon sehr genau hinschauen, um ihn als eines der armen Opfer des kannibalischen Geschwister-Paares zu identifizieren. Der Film selber ist deutlich von „Psycho“ und „Blutgericht in Texas“ inspiriert. Aus „Psycho“ wurde das abgelegene Motel, das als Falle für unfreiwillige Fleischlieferanten dient, übernommen. Aus „Blutgericht in Texas“ die kannibalischen Tendenzen und die degenerierte Hinterwäldler-Familie. Allerdings setzt „Hotel zur Hölle“ nicht auf Terror und Grusel, sondern mehr auf schwarzen, manchmal durchaus britischen Humor. Die Idee, seine Opfer wie Kohlköpfe in den Boden zu pflanzen und dort zu mästen, bis das Fleisch reif für die Räucherei ist, hat etwas beinahe Monty Pythonesques.

Auch in den klassischen Horrorszenen, wie dem Fallenstellen durch Farmer Vincent, verzichtet Connors ganz auf Suspense oder blutige Details. Und wenn tatsächlich ein Pärchen in die Motel-Falle tappt, sind diese beiden zu schrill überzeichnet, als dass sich so etwas wie Mitgefühl oder Angst um die beiden Comic-Abziehbilder einstellt. Hier überdreht Connor dann leider auch das Rad und diese Szene wirkt leider aufgrund ihrer puren Albernheit fehl am Platze. Häufig geht „Hotel zur Hölle“ immer dann die Luft aus, wenn sich wieder zu sehr auf die Handlung konzentriert wird, oder Vincent und Ida einmal nicht im Bild sind. Für diese Durchhänger wird man allerdings durch das wunderbar groteske Finale entschädigt, in dem ein abgetrennter Schweinekopf und zwei Motorsägen zum Einsatz kommen.

Mangelnde Spannung und Grusel macht „Hotel zur Hölle“ durch bizarre Ideen und ein Bösewicht-Pärchen in Topform wieder weg. Auch wenn einige Szenen zu langatmig und anderen zu überdreht ausgefallen sind, kann diese schwarzhumorige Komödie in Slasher-Verkleidung über die gesamte Laufzeit gut unterhalten.

Die Blu-ray des sympathischen Berliner Labels CMV zeigt den Film in guter Qualität. Wahrscheinlich ist aus dem Material auch nicht mehr heraus zu holen. Abstriche muss man leider beim Ton machen, der auf Englisch manchmal recht schwer zu verstehen ist. Auch die deutsche Tonspur ist hier nicht so viel besser. Extras gibt es bis auf Trailer und Bildgalerie leider keine. Dafür liegt der Blu-ray noch eine Überraschungs-DVD bei, welche bei mir allerdings kein Lächeln aufs Gesicht zauberte, denn es handelt sich dabei um eine deutsche Amateurfilm-Produktion, und die sind nicht so wirklich mein Ding.

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