DVD-Rezension: “King of New York“

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Nach einem langjährigen Gefängnisaufenthalt kehrt Frank White zu seiner Gang zurück. Augenblicklich beginnt er damit, seine alte Vormachtstellung im Drogengeschäft wieder zurückzuerobern, indem er seine Konkurrenten umbringen lässt. Schnell bringt White auch die italienische und chinesische Mafia unter seine Kontrolle. Auch zur Politik knüpft White beste Beziehungen. Allein Detective Bishop und seine Leute wollen White das Handwerk legen, wozu ihnen jedes Mittel recht ist.

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Nach seinem eher kruden, aber effektiven Spielfilm-Debüt (zumindest das offizielle, über „9 Lives of a Wet Pussy“ sprechen wir mal nicht) „Driller Killer“ entwickelte sich Abel Ferrera mit „Die Frau mit der 45er Magnum“ und „China Girl“ schnell zum Kult-Regisseur. Nach einigen TV-Arbeiten und unmittelbar vor seinem epochalen und zutiefst erschütternden „Bad Lieutenant“ drehte er „King of New York„, eine Gangstergeschichte, die – wie er im Interview behauptet – von der Brutalität in „The Terminator“ inspiriert worden sei, und an dessen Drehbuch er und sein Schulfreund Nicholas St. John fünf Jahre saßen. Neben seinem „Body Snatchers„-Remake ist „King of New York“ sicherlich einer seiner für ein breites Publikum zugänglichsten Filme. Was auch an der grandiosen Optik liegt, in welche Kameramann Bojan Bazelli die Filmbilder kleidet. Mit Bazelli sollte Ferrera dann noch einmal bei „Body Snatchers“ zusammenarbeiten, bevor er Ken Kelsch zu seinem Stammkameramann machte. Bazellis Arbeit besticht mit aufwändiger und ausgeklügelter Lichtsetzung, die die Bilder zum Teil wie Gemälde aussehen lassen, und ästhetischen Gegenlichtaufnahmen. Hier scheint sich ein Einfluss von Michael Mann bemerkbar zu machen, für den Ferrera einige Episoden der TV-Serien „Miami Vice“ und „Crime Story“ abgedreht hatte. Besonders an „Crime Story“ scheint sich „King of New York“ optisch zu orientieren.

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Obwohl „King of New York“ über die Jahre seine Fans gefunden hat und zum Kultfilm avancierte, war er zur Zeit seiner Premiere 1990 nicht gerade wohlgesonnen aufgenommen worden. Während der Premiere auf dem New Yorker Filmfestival verließen etliche Zuschauer den Saal, bei der zweiten Vorführung wurden Drehbuchautor St. John und Darsteller Laurence Fishburne ausgebuht. Kritikerpapst Roger Ebert schimpfte auf das Drehbuch und nannte den Film „half-written“. Für Kontroversen sorgten sicherlich auch die exzessive Gewalt; die Tatsache, dass ein Weißer sich schwarzer Gangster bedient und der ambivalente Charakter der Hauptfigur. Dem von Christopher Walken brillant gespielten Frank White wird kein Hintergrund gegönnt. Man weiß nicht wo er herkommt, und wie er zu seiner Macht kam. Warum halten seine Getreuen nach so langer Zeit im Gefängnis noch zu ihm? Und was ist seine Motivation? Frank White wird als eiskalter, gefährlicher Killer gezeigt, gleichzeitig will er sich um die Kranken in „seinem“ Viertel kümmern und treibt mit allen Mitteln den Bau eines Krankenhauses voran. Wenn er am Ende erklärt, er wisse gar nicht, warum die Polizei ihn jage, sie solle doch froh sein, dass er die „schlimmeren“ Gangster beseitigt habe, und der Rauschgifthandel auch ohne ihn florieren würde, möchte man ihm fast zustimmen.

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Christopher Walken versinkt ganz in dieser Rolle. Er spielt nicht, er ist Frank White. Und da dieser keine Geschichte hat, die ihn mit Tiefe und Substanz verleiht, ist es ganz Walkens Schauspiel, welches dieser Figur Leben einhaucht. Wenn White sich durch New York bewegt ist er ein Wolf, der weiß, dass er allen anderen Tieren im Wald überlegen ist. Sein Lächeln ist das einer giftigen Schlange, sein Lachen das einer Hyäne. Walken tropft die Gefährlichkeit und das überzogene Selbstbewusstsein aus jeder Pore.Durch ihn besitzt White soviel Präsenz, dass man sich gar nicht erst fragt, wie es sein kann, dass ein weißer Junge die schwarzen Gangs in New York befehligt, wieso die Handlanger der italienischen Mafiosi sofort zu ihm überlaufen und wo seine hervorragenden Kontakte herkommen. Ferrera verrät in dem Interview, welches als Bonus auf der DVD enthalten ist, dass er ein Prequel plante, welches die hier komplett ausgeblendete Vorgeschichte erzählt. Das wäre auch ein interessanter Film, aber eben nicht „King of New York“. „King of New York“ zeigt eine Figur von der man nicht wissen kann, ob man sie hassen oder bewundern soll. Am Besten sollte man Frank White fürchten, gerade weil er nicht zu fassen ist.

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Neben dem beeindruckenden Christopher Walken, spielen mit David Caruso, Wesley Snipes und Laurence Fishburne noch drei junge, damals aufstrebende, Schauspieler in „King of New York“ mit, die kurze Zeit später die Karriereleiter nach oben klettern sollten. Sogar ein sehr junger Steve Buscemi taucht einmal kurz im Bild auf. Caruso spielte zunächst enorm erfolgreich einen Polizisten in der TV-Serie „NYPD Blue“ und feierte nach einem Tief, welches seinem Ausstieg aus der Serie folgte, ein sehr erfolgreiches Comeback in „CSI: Miami“. Wesley Snipes, der hier nur eine kleine, aber markante Rolle als Carusos Partner inne hat, sollte kurz danach mit „New Jack City“ seinen Durchbruch feiern und zu einem gefragten Actionstar der 90er werden, bevor billige B-Filme und ein Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung ihn aus der Spur warfen. Fishburne war bereits ein gefragter Nebendarsteller, der heute – um einiges schwerer – vor allem für seine Rolle als Morpheus in der „Matrix“-Trilogie bekannt ist. Fishburne ist dann auch die große Entdeckung des Filmes. Mit Leib und Seele spielt er Whites obersten Handlanger Jimmy Jump. Vom schlendernd-tänzelnden Gang und das breite Lachen, über die große Klappe und demonstrativ zur Schau gestellte Selbstbewusstsein bis hin zu den Goldzähnen- und Ketten, verschmilzt er mit dieser Figur, die wie eine kraftvolle Parodie auf die damals aufkommenden Gangster-Rapper wirkt.

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In der Tat spielt Rap in „King of New York“ eine wichtige Rolle und untermalt auf der Soundtrackspur das Geschehen. Damit war Ferrara einer der Ersten, die Rap bewusst als Stilmittel einsetzten. Einige Szenen, in denen die Gangster in Begleitung leicht bis gar nicht bekleidetet Damen vor allem sich selbst feiern, scheinen auch Vorlage für unzählige einschlägige Musikvideos zu bilden. Vielleicht hat dies dem Film daher in der Gangster-Rap-Szene zu einiger Reputation verholfen, denn er war nicht nur ein Lieblingsfilm der Ostküsten-Rap-Legende „Notorious B.I.G.“, sondern dieser benutzte auch den Namen „Frank White“ als Pseudonym. U.a. wohl auch, als er sich am Tag seiner Ermordung in einem Hotelzimmer einmietete.

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Ähnlich ambivalent, wie der Charakter Frank Frank, ist auch die Rolle der Polizei, die ebenfalls selbstherrlich und über dem Gesetz stehend agiert. Wobei Ferrara die ermittelnden Polizisten über weite Strecken des Filmes völlig vernachlässigt. So gibt es im Film nur zwei große Szenen, in denen sie näher charakterisiert werden. Zunächst auf einer Hochzeitsfeier in einer typische irischen Bar und dann später an selber Stelle, wenn sie über das weitere Vorgehen in Streit geraten. Die Szene mit der Hochzeitsfeier steht von der Bildgestaltung und dem allgemeinen Ton her, in solch einem krassen Gegensatz zu der Welt Frank Whites, dass sie beinahe wie ein Fremdkörper im Film wirkt, was von Ferrara wohl auch durchaus beabsichtigt ist. Die zweite Szene dient augenscheinlich nur dazu, die weitere Handlung voranzutreiben und die Motivation hinter der folgenden Selbstjustiz-Aktion zu erklären. Dazwischen tauchen Caruso und Snipes so gut wie nicht mehr auf. Man hat das Gefühl, dass es ihre Figuren ursprünglich mehr Spielraum hatten, dieser aber dann heraus gekürzt wurde. So bleibt der Fokus auf ihrem Vorgesetzten, der von Victor Argo – nach „King of New York“ Stammschauspieler bei Ferrera – mit großer Melancholie und Müdigkeit gegeben wird. Mit seinem ruhigen unterspielen der Rolle, bildet er einerseits ein Gegengewicht zu dem charismatischen Walken und ergänzt andererseits kongenial dessen extrovertierten Frank White.

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Mit „King of New York“ hat Abel Ferrara seinen optisch opulentesten und auch einen seiner brutalsten Filme inszeniert, der einem glänzend agierenden Christopher Walken eine ideale Plattform für seine Schauspielkunst bietet. Der Film verweigert sich einer klassischen Gut/Böse-Darstellung und lässt seine Figuren ambivalent agieren. Einige Ungereimtheiten im Drehbuch werden durch eine stilvolle, temporeiche Inszenierung und eine hervorragend aufgelegte Besetzung wieder wettgemacht.

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Die DVD besitzt eine gute Bild- und Tonqualität. Als Extras ist ein fast halbstündiges Interview mit Ferrara enthalten, welches scheinbar für das französische Fernsehen entstand. Dieses ist sehr aufschlussreich in Hinblick auf „King of New York“ und bietet viele zusätzliche Informationen.

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