20. Internationales Filmfest Oldenburg: Erste Filmtitel bekannt gegeben

Von , 15. August 2013 21:33

Die 20. Ausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg (11.-15.September) wirft seinen Schatten voraus. Gerade eben wurde die ersten Filme bekannt gegeben. Scheinbar herrscht mittlerweile wieder Frieden und Harmonie zwischen den zerstrittenen Parteien, die insbesondere im letzten Jahr für einiges Getöse im Vor- und Nachfeld sorgten. Die Drohung, das Filmfest eventuell nach Bremen zu bringen, ist wohl auch ein für allemal aus der Welt. Zumindest verwundert es (wenn auch positiv), dass nach dem großen Streit, der auch vor Gericht endete, es diesmal sehr, sehr ruhig war. Nirgendwo wurden noch etwaige Streitigkeiten erwähnt oder auf der einen oder anderen Seite Unmut geäußert. Gut so, denn so kann man sich in Ruhe auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Die Filme, die auf diesem sympathischen Filmfest gezeigt werden.

Die Ersten sind, wie gesagt, gerade verkündet worden. Einen Kracher habe ich leider noch nicht ausmachen können, aber das kann ja auch täuschen.

Ich übernehme mal die Beschreibung der aktuellen Pressemeldung und ergänze diese um eigene Gedanken, die mir spontan und ohne irgendwelche Recherche im Internet durch den Kopf geschossen sind. Ich kann also damit auch komplett falsch liegen.

oskar

KÄPTN OSKAR (2013): Der zweite Film von Schauspieler und Regisseur Tom Lass, folgt Oscar (Lass) der aus einem brennenden Bett flieht und danach mit einer neuen Liebe durch die Straßen von Berlin driftet. Neben Lass spielen Amelie Kiefer (Die Drachen besiegen) und Martina Schöne-Radunski (Frontalwatte). Produktionsfirma ist die JORONI Produktions- und Verleih GmbH.

Das klingt doch erst einmal sehr stark nach dem großen Gewinner der Vorjahres „Oh Boy“. Bleibt abzuwarten, ob hier versucht wird, sich an den Erfolgsfilm (der auch beim Deutschen Filmpreis abräumte und an der Kinokasse ein recht guten Eindruck hinterließ) dranzuhängen oder „Käptn Oskar“ eine ganz andere, eigenständige Geschichte erzählt.

love steaks

LOVE STEAKS (2013): Der Debutfilm von Jakob Lass zeigt Lana Cooper (Bedways) und Franz Rogowski (Frontalwatte) als Luxuspärchen in einer emotional extrem rohen Konstellation. Produziert wurde der Film von der HFF Konrad Wolf, Lass Brothers Filmproduktion und MAMOKO Entertainment.

Darüber habe ich viel Gutes gelesen. Der Film war z.B. der große Liebling der Kritiker auf dem Filmfest München, wo er gleich fünf Preise abräumte.

erfindung

DIE ERFINDUNG DER LIEBE (2013): Die preisgekrönte Regisseurin Lola Randl lässt in ihrem neuen Langfilm eine junge Frau auf die Idee kommen, ihren Freund mit einer alten, reichen und sehr kranken Frau zu verkuppeln, um an deren Erbschaft zu gelangen. Mit Maria Kwiatkowsky (Liebe Amelie), Mario Adorf, Sunny Melles. Produziert wurde der Film von Coin Film, Red Lion Sarl und dem WDR.

Die Besetzung und die Produktion weisen darauf hin, dass es sich hier wohl um einen TV-Film handelt. Wahrscheinlich einer dieser sentimentalen Filme, die keinem wehtun und gut beim Bügeln geguckt werden können.

staudamm

STAUDAMM (2013): 2009 gewann Thomas Sieben den German Independence Award mit „Distanz“. In seinem zweiten Langfilm begibt er sich auf die Spur der versteckten Geheimnisse eines kleinen bayerischen Dorfs. Erfahrbar wird das Geschehen durch die Perspektive eines jungen Beamten der ein paar Akten abholen soll. Mit Friedrich Mücke, Liv Lisa Fries und Dominik Raacke. Produziert von Milk Film.

Klingt interessant. Muss man aber mal sehen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Kafka-esque, Lynch-esque oder doch Tatort-esque.

mädchenwand

DIE FRAU HINTER DER WAND (2013): Für seine Kurzfilme wurde Grzegorz Muskala mit insgesamt 5 Best Film Awards ausgezeichnet. Für sein Langfilmdebut, das in Oldenburg als Weltpremiere läuft, holte er Vincent Redetzki und Katharina Heyer vor die Kamera. Produziert von One Two Films GmbH.

Da hier keine weiteren Infos vorliegen, kann ich den Film auch nicht einschätzen. Das Pressefoto erinnert aber an einen meiner Lieblingsfilme: “Barton Fink“.

kiss

KISS OF THE DAMNED (USA, 2013) IP: Xan Cassavetes ist die Tochter des legendären amerikanischen Regisseurs John Cassavetes. Sie wird beim Festival ihr Langfilmdebut präsentieren – eine sinnliche, freche Neuerfindung des Twilight-Genres. Variety lobte „Fans von Kultfilmen werden gierig ihre Zähne in diesen Film schlagen“.

Den haben wir auch schon für das Phantastival angedacht, doch nach einigen schlechten Kritiken, die ihn als „Twilight“-Kitsch für Frauen, die keine Teenies mehr sind, abgekanzelt haben, haben wir ihn aus unserer „long list“ genommen. Schade, denn ich hatte mehr auf einen Film in der Tradition von Tony Scotts „Begierde“ gehofft. Das Plakat sieht aber super aus.

teacher

A TEACHER (USA, 2013) IP: Der Erstlingsfilm von Regisseurin Hannah Fidell hatte beim Sundance 2013 Weltpremiere und sie gewann beim SXSW in diesem Jahr den Award als „Best female director“. Der Film ist eine gewagte Provokation und zeichnet das Porträt einer Lehrerin (Lindsay Burge) mit einem ihrer Schüler sämtliche Grenzen überschreitet. Filmmaker Magazine hat Fidell 2012 auf die Liste der 25 New Faces of Independent Cinema gesetzt. Sie wird als Gast beim Festival erwartet.

Die Worte Sundance+Independent Cinema+Erstlingsfilm lassen bei mir immer Warnlichter angehen. Aber das ist persönlicher Geschmack.

blumen

BLUMENTHAL (USA, 2013) IP: Regisseur Seth Fisher spielt in seinem Debutfilm den Sohn eines legendären Drehbuchautoren (gespielt von Golden Globe Nominee Brian Cox), dessen Karriere daraus bestand, eine Parodie seiner Familie zu schreiben und über den eigenen Witz bis in den Tod zu lachen. Nach der Weltpremiere beim Santa Barbara Film Fetival, wurde Fishers Film mit dem jungen Woody Allen verglichen.

Der Vergleich mit einem jungen Woody Allen ist immer etwas abgeschmackt. Der Film klingt aber gar nicht so uninteressant. Leider kein Film über den gleichnamigen Bremer Stadtteil.

dark

DARK AROUND THE STARS (USA, 2013) WP: Die Weltpremiere des zweiten Langfilms des deutschstämmigen Regisseurs Derrick Borte zeigt Mark Kassell in der Rolle eines Betrunkenen der sich auf deinen Road Trip begibt, der sein ganzes Leben verändern wird. Der Film mit Illeana Douglas und einer Tour-de-Force Performance von Indie Spirit Award Nominee Tom Bower, wurde von Scott Lochmus produziert, der für seine Dokumentationen über Barbara Streisand, Celine Dion und die Presleys berühmt wurde.

„Road Trip, der sein ganzes Leben verändern wird“. Hat man auch schon sehr, sehr häufig gesehen. Mal sehen, ob der Regisseur diesem ausgelutschten Thema neue Facetten hinzufügen kann. Da er vom Dokumentarfilm kommt, will ich ihm mal eine Chance geben.

heroes

OUR HEROES DIED TONIGHT (F, 2013) IP: Der französische Regisseur David Perrault bringt in seinem Debutfilm den preisgekrönten Schauspieler Denis Ménochet (Inglorious Basterds) und den Schauspieler und Musiker Jean-Pierre Martins (Silmarils) im Wrestling-Ring des Paris der frühen 1960er Jahre zusammen. Nach seiner Premiere bei der Critics Week in Cannes, waren die Rezensenten unisono von der schwarz-weißen Welt und ihrer grauen Moral tief beeindruckt.

Klingt spannend. Ich kann mir da noch nicht wirklich was drunter vorstellen, aber Paris in den 60ern geht immer. Werde ich versuchen zu gucken.

love

LOVE IS IN THE AIR (F, 2013) DP: Der französische Schauspieler und Regisseur Alexandre Casagnetti macht sich mit seinem zweiten Film daran die Herzen des Publikums zu erobern. Ludivine Sagnier (Swimming Pool) und Nicolas Bedos spielen Ex-Lover die durch Zufall auf einem Langstreckenflug nebeneinander sitzen und sich so endlich ihrer turbulenten Vergangenheit stellen müssen.

Ludivine Sagnier finde ich ja extrem lecker. Der Film selber kann sowohl ein Hit (mir fällt hier bei der Beschreibung der sehr schöne „Conversations With Other Women“ ein), als auch ein totaler Flop werden. Ich behalte ihn mal im Auge.

sur

BIG SUR (USA, 2013): Der neueste Film von Michael Polish, der inzwischen zu den Stammgästen in Oldenburg zählt, bringt mit Stana Katic (Castle), Kate Bosworth (Superman Returns) und Josh Lucas (The Firm) viel Starpower in die Erzählung davon wir Jack Kerouac eine Reise an die Westküste unternahm, um dort in einer Dichterklause zu leben.

Von Michael Polish habe ich in Oldenburg den sehr netten „Stay Cool“ und letztes Jahr „For Lovers Only“ gesehen. Letzteren fand ich ziemlich fürchterlich. US-Indie-Kino, das auf cool und Nouvelle Vague machen will. Nun, bei „Big Sur“ hat diesmal nicht sein Zwillingsbruder Marc Drehbuch und Hauptrolle übernommen. Darum bin ich mal gespannt, was Michael im Alleingang anstellt.

bawa

BWAKAW (PHL, 2012) IP: Der philippinische Film von Jun Robles Lana ist mit Eddie Garcia hochkarätig besetzt. Garcia ist eine Ikone des philippinischen Kinos und BWAKAW wurde vom Film Comment Magazin auf den vierten Platz ihrer Liste der 50 Besten Filme von 2012 die noch keinen Verleih haben, gesetzt. Der Film gewann seit seiner Premiere 16 Awards und erzählt die Geschichte der Beziehung eines griesgrämigen alten Mannes zu seinem Hund. Das brillante Comedy-Drama wurde als „Coming-Out Story des Clint Eastwood der Philippinen“ bezeichnet.

Schön, dass auch ein philippinischer Film den Weg ins – für meinen Geschmack zu us-lastige – Programm findet. Was jetzt die Verbindung zwischen einem Hund und „Coming Out“ ist, will sich mir nicht erschließen, neugierig bin ich aber.

little

LITTLE ONE (SA, 2012) IP: Darrell Roodt hat in seiner Heimat Südafrika bereits mit „Cry, The Beloved Country“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Für seinen letzten Film gewann Hauptdarstellerin Tami Baleka den Best Actress Award in Südafrika. Ihre energetische Perfomance als Beschützerin eines gepeinigten Kindes, deren unkonventionelle Methoden und bedingungslose Liebe beider Leben verändern wird, ist meisterhaft.

Klingt nicht nach einem Film, der mich interessieren würde. Daher enthalte ich mich eines Kommentars.

list

THE LIST (UK, 2013) WP: Regie und Buch stammen von Palm d’Or Nominee Klaus Huttman, der diesen Film aus einem Stoff entwickelte, der 2010 beim von der Wirtschaftsföderung Oldenburg geförderten „Speed Pitch“-Projekt im Rahmen des Oldenburger Filmfestivals vorgestellt wurde. Der psychologische Thriller überzeugt durch die packende Darstellung der Abwärtsspirale in die ein junger Manager gerät, dessen Firmenwebseite von Hackern in eine Cyber-Waffe umgewandelt wird. Großartig auch der Cameo Auftritt von Clive Russell (Game of Thrones).

Werde ich versuchen mir anzusehen. Klingt nach spannender Genre-Ware und die ist bei der bisherigen Vorstellung ja etwas kurz gekommen. Zudem gefällt mir die Verbindung zu Oldenburg.

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3 Antworten für “20. Internationales Filmfest Oldenburg: Erste Filmtitel bekannt gegeben”

  1. Die Besetzung und die Produktion weisen darauf hin, dass es sich hier wohl um einen TV-Film handelt. Wahrscheinlich einer dieser sentimentalen Filme, die keinem wehtun und gut beim Bügeln geguckt werden können.

    Das weiß ich zwar auch nicht, aber Maria Kwiatkowsky war doch immer für sehr intensive Rollen gut, die auch weh tun konnten, egal ob im Fernsehen oder auf der Bühne. Sie war ja auch privat etwas krass drauf. Auf jeden Fall war das ihr letzter Film, und sie starb offenbar noch vor Ende der Dreharbeiten. Falls es da Holprigkeiten in der Handlung gibt, dürfte es daran liegen.

  2. Hm, hier hab ich gestern einen Kommentar hinterlassen, der jetzt verschwunden ist.

  3. Marco Koch sagt:

    Hi Manfred. Ich sehe den Kommentar, habe aber merkwürdigerweise weder beim Ersten, noch jetzt beim Zweiten eine Nachricht erhalten, dass Kommentare eingegangen sind. Am Mittwoch gab es massive Holprigkeiten, da mein Provider einen Serverumzug durchgeführt hatte, doch jetzt sollte eigentlich alles wieder normal laufen.

    Zu Maria Kwiatkowsky. Ja, jetzt wo du das schreibst erinnere ich mich wieder an einen Artikel auf SPON, wo es um sie ging. Nun, vielleicht ist “Erfindung der Liebe” doch ein Tipp. Würde mich freuen, denn Mario Adorf habe ich schon lange nicht mehr in einer wirklich interessanten Rolle/Film gesehen. Normalerweise spult er ja nur noch sein Mario-Adorf-Programm ab.

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