DVD-Rezension: “Afterparty – Feiern bis der Tod kommt”

Von , 23. Juli 2013 20:37

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Der Schauspieler und Rockstar Carlos (Luis Fernandez), genannt „El Capi“, ist im ganzen Land (und vor allem bei den Damen) ausgeprochen beliebt. Und dies nutzt er auch weidlich aus. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, will er sich aber aus seiner populären TV-Horror-Serie „Campamento Misterio“ absetzt, um nach Amerika zu entschwinden. Dort erwartet ihn ein lukratives Filmangebot. Vorher besucht er aber noch eine exzessive Party in einem festungsähnlichen Gebäude. Als er am nächsten Tag mit einem ordentlichen Kater neben seiner letzten Eroberung aufwacht, muss er feststellen, dass das Gebäude verrammelt und verriegelt ist. Er trifft noch zwei weitere Mädchen und einen jungen Mann. Diese sind ebenfalls von der Party übriggeblieben. Gemeinsam suchen sie vergeblich nach einem Ausgang und müssen erkennen, dass sie doch nicht ganz allein im Gebäude sind. Eine geheimnisvolle Figur, die gekleidet ist wie der Killer aus Luis‘ Serie, schickt ihnen Videobotschaften auf das Handy und beginnt die Eingeschlossenen, einen nach dem anderen zu dezimieren.

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Die Schlagzeile „Scream trifft Hangover“, mit der für diesen Film geworben wird, trifft es mit etwas Fantasie ganz gut. Aus „Scream“ wurde die Maskierung des unheimlichen Killers übernommen und aus „Hangover“ die Prämisse, nach einer durchzechten Nacht herauszufinden, was eigentlich los ist. Da enden aber auch schon die Ähnlichkeiten. Weder kann „Afterparty“ Wes Cravens postmodernen Slasher das Wasser reichen, noch begibt er sich in Komödiengefilde. Das spanische Genrekino hat gerade in den letzten Jahren immer wieder auf sich Aufmerksam gemacht, sei es mit stillem Grusel wie „Das Waisenhaus“ oder handfestem Horror, wie die [rec]-Reihe. „Afterparty“ kann an diese Großtaten leider in keiner Form anknüpfen. Zu stolz ist der Film auf seine, vermeintlich doch so überraschende, Wendung nach zwei Dritteln des Filmes. Vor lauter Vorfreude stößt er den Zuschauer ständig mit der Nase drauf . Doch wer schon mehr als drei solcher Filme gesehen hat, hat dafür nur noch ein Gähnen übrig.

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Was bis dahin geschieht ist recht unspektakulär und stereotyp umgesetzt. Sei es die ausschweifende Party, die wirklich kein Klischee auslässt, oder eben die lahmen Spielchen, die der stumme Killer mit seinen Opfern spielt. Zudem sind die Protagonisten allesamt dermaßen unsympathisch gezeichnet, dass man keinerlei Empathie für sie empfinden kann. Dementsprechend wartet man geradezu sehnsüchtig darauf, dass der Killer diese selbstverliebten Egozentriker um die Ecke bringt. Was er dann auch recht unspektakulär tut. Man fühlt sich dabei in die 80er Jahre zurückversetzt, in denen sich die „Güte“ eines Filmes vorwiegend über die möglichst kreative Art mit der nervige Teenies ins Jenseits befördert werden definierte. Kreativ ist hier aber erst einmal gar nichts. Wer sich aufgrund des dicken „FSK 18“-Aufklebers und dem Versprechen „100% Uncut“ Gegenteiliges erhofft hat, wird enttäuscht werden. Wer eine spannende Story mit nachvollziehbaren Figuren erwartete, aber leider auch.

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Der Film beginnt mit einer Szene, die wie eine Mischung aus „Scream“ und „Freitag, der 13.“ daherkommt und etwas holprig gefilmt ist. Man ahnt schon schlimmes, dann stellt sich aber heraus, dass sie zu einem Film im Film gehört. Hauptcharakter „El Capi“ ist nämlich nicht nur Rockstar, sondern auch umschwärmter Star einer TV-Serie namens „Campamento Misterio“. Tatsächlich ist Hauptdarsteller Luis Fernandez zunächst unter dem Namen „Perla“ als Teil eines Rap-Dous bekannt geworden, bevor er für eine erfolgreiche spanische TV-Serie entdeckt wurde. Der Filmcharakter scheint also durchaus von ihm inspiriert zu sein. Bleibt zu hoffen, dass Herr Fernandez privat nicht so ein Kotzbrocken, wie sein Alter-Ego „El Capi“ ist.

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Dummerweise ändert sich der Stil des Filmes nach der oben erwähnten Eingangsszene nur geringfügig. Die Szenen auf der Party werden im flashigen Musikvideo-Stil gefilmt, später wird dann gerne mal die Handkamera eingesetzt. Doch Inszenierung und Dramaturgie bleiben holprig. Man folgt dem Geschehen eher lustlos. Schuld daran trägt auch der Killer, dem weder irgendeine Form von Persönlichkeit, noch Bedrohlichkeit gegönnt wird. Die dezent gefilmten Mordszenen helfen da auch nicht viel weiter. Ein talentierterer Regisseur hätte sicherlich aus dem schwachen Drehbuch auch trotz des Fehlens blutrünstige Szenen,  Spannung ziehen können. Eine unheimlich-bedrohliche Atmosphäre und eine etwas liebenswerter Zeichnung der potentiellen hätten da schon geholfen. Miguel Larraya verfügt nicht über solches Talent und ist von daher eigentlich auf spektakuläre Schauwerte angewiesen, die dann aber ausbleiben.

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Dass sie ausbleiben, hat seinen Grund. Und dieser ist ebenso vorhersehbar, wie an den Haaren herbeigezogen. Immerhin scheint es Larraya zu helfen, wenn endlich die Karten offen auf dem Tisch liegen. Ab hier wird die Spannungsschraube deutlich angezogen und Larraya schafft es auf einmal, aufregende und – im positiven Sinne – nervenaufreibende Szenen zu gestalten. Auch gelingen ihm durchaus visuell ansprechende Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Man wünscht sich, Larraya hätte von vornherein auf seine, ach so raffinierte, Pointe verzichten und gleich von Anfang an seine, scheinbar doch irgendwo vorhandenen, Qualitäten eingesetzt. Gekrönt wird dieses, dann doch recht ansprechende, letzte Drittel durch einen bitterböse und zynischen Schlusspunkt, welcher durchaus passend, sowie in seiner Konsequenz dann doch etwas überraschend ist.

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Das letzten Drittel, in dem der Film endlich etwas Tempo und Spannung aufweist, sowie das zynische Ende, retten „Afterparty“ knapp ins untere Mittelfeld des Genres. Bis dahin leidet er aber an seiner spannungsarmen, unspektakulär inszenierten Geschichte und den unausdifferenzierten, höchst unsympathischen Charakteren. „Afterparty“ ist kein Ruhmesblatt für den spanischen Genrefilm, der doch in den letzten Jahren immer wieder mit zahlreichen Höhepunkten auftrumpfen konnte. Bei einer Länge von knackigen 75 Minuten, stiehlt er einem aber auch nicht allzu viel Lebenszeit.

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Die DVD aus dem Hause Splendid hat ein gutes Bild. Der Ton liegt in einer soliden deutschen Synchro und der spanischen Originalfassung mit ausblendbaren deutschen Untertiteln vor. Extras gibt es keine.

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