Kam ein Stöckchen geflogen…

Von , 4. Juni 2013 22:37

Autsch, da hat mich ein Stöckchen getroffen. Geworfen wurde es vom Intergalatic Ape-Man. Bisher wusste ich nicht, was im Internet ein „Stöckchen“ ist, geschweige denn, dass es so etwas gibt. Jetzt bin ich etwas schlauer. Das ist eine Art Staffelstab, der von Blog zu Blog weitergereicht wird. Und dieser „Stab“ besteht aus einem Fragebogen. In diesem Falle 11 Fragen, die ursprünglich von The Sweet Nonsense stammen und nun ihre Runden ziehen. Ich habe den Stab angenommen und mich an den nun folgenden Fragen abgearbeitet.

1. Was ist dein Lieblingsfilm?

Die Frage beantworte ich in der Regel gar nicht. Warum? Weil es so viele tolle Filme da draußen gibt, dass ich mich gar nicht auf „den einen“ festlegen will. Zudem hat – wie das Wort „Liebling“ schon sagt – das auch viel mit der Gefühls- und Stimmungslage zu tun, und die kann immer mal wieder wechseln. Und für jeden Film, den ich hier nennen würde, fallen mir gleich ein Dutzend andere ein, die dort genauso gut stehen könnten. Da man als Filmfan aber ständig mit dieser einen Frage konfrontiert (ich schreibe jetzt extra nicht „belästigt“) wird, habe ich mir einen Film zurecht gelegt, den ich nennen kann, wenn der Frager gar nicht aufhören will zu bohren: „Spiel mir das Lied vom Tod„.

2. Wieso ist das dein Lieblingsfilm?

Wie gesagt, das ist sozusagen eine Antwort, die aus Notwehr heraus geboren wurde. Es ist nicht wirklich DER Lieblingsfilm. Aber eben einer, den ich sehr gerne mag und der mich schon sehr lange begleitet. Also kann ich damit ganz gut leben. Wieso ich ihn so mag? Abgesehen davon, dass ich eine gewisse Liebe für das Westerngenre von meiner Familie väterlicherseits (Großvater, Vater und Onkel) geerbt habe, gefällt mir an diesem Film, dass man sich, je nach Lebensabschnitt, immer mit jemand anderen identifiziert: Als Teenie war man Bronson, der Rächer, später dann gerne der böse Fonda mit den eiskalten, blauen Augen. In meinem jetzigen Alter halte ich es mit dem abgeklärten Cheyenne. Irgendwann bin ich dann bei Jack Elam und spiele mit Fliegen… Zudem beeindruckt mich bei dem Film auch immer wieder das grandiose Zusammenspiel von Musik und Bild.

3. Was war(en) deine Lieblingsfilm(e) als Kind?

Kommt drauf an, wie man „Kind“ definiert. Vor der Pubertät, auch noch als Teenie? Ich schränke das mal auf die Zeit von ca. 10-14 ein. Da waren es „El Dorado„, „Zwei glorreiche Halunken„, „Der unsichtbare Dritte„, die erste „Krieg der Sterne„-Trilogie, „Jäger des verlorenen Schatzes“ und die Bond-Filme.

4. Wer ist dein(e) Lieblingsregisseur(in)?

Hier sage ich jetzt aber definitiv: Den einen gibt es nicht. Mein Pantheon besteht aus drei Stufen. Oben sitzen drei, die ich ganz besonders verehre: Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick und Lars von Trier. Darunter gibt es dann noch die Ebene mit Göttern, die quasi Anwärter auf den Gipfel sind: Tarkowski, Herzog und Lynch. Dann folgen all die anderen großartigen Meister, die ich ebenfalls nicht missen möchte: Zulawski, Kaurismäki, Haneke, Bergman, Wilder, Preminger, Lang, Murnau, Keaton, Leone, Kurosawa, Kitano, Polanski, Welles, Bava, Madden, Allen, auch dePalma (trotz einiger Fehltritte) und die jungen Wilden Winding Refn, Tarantino (ja) und Noe. Und noch so viele mehr. Wer mich kennt, fragt sich wahrscheinlich, wo Leute wie Franco oder Rollin bleiben. Die liebe ich natürlich. Aber auf eine andere Art und Weise, die persönlicher ist, und welche ich schwer beschreiben kann.

5. Wieso ist das dein(e) Lieblingsregisseur(in)?

Weil ihre Filme etwas in mir bewegen. Sowohl vom gefühlsmäßigen, wie auch intellektuellen Standpunkt aus. Ihre Filme sind Schlösser in denen es noch viele verborgene Türen gibt. Bei Hitchcock ist es z.B. so, dass ich die Filme alle schon x-Mal gesehen habe, aber jedes erneute Sehen immer wieder wie ein erstes Mal ist. Bei Kubrick und von Trier ist es ebenso. Ihre Filme bringen meinen Puls dazu, schneller zu schlagen und mich in einem Rausch zu verlieren. Witzigerweise will ich ihre Filme immer kühl analysieren, werde dann aber wieder so tief in den Film hineingezogen, dass ich es während des Anschauens vollkommen vergesse.

6. Hattest du schon vorher eine(n) Lieblingsregisseur(in)?

Hitchcock begleitet mich schon mein ganzes Leben. Als Kind habe ich das Truffaut-Buch „Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?“ unzählige Male durchgelesen und das hat mich wahrscheinlich auch dazu gebracht, mich intensiv mit Film zu beschäftigen. Aber ich denke mal, die Frage zielt mehr darauf, ob es einen Regisseur gibt, den man früher verehrte, aber heute nicht mehr. Da fällt mir (leider!) als erstes Dario Argento ein, dessen Frühwerk ich noch immer in Ehren halte. Ach, und als zweites kommt mir jetzt noch John Woo in den Sinn, wobei ich von ihm die letzten Filme gar nicht mehr gesehen habe und damit auch nicht sagen kann, ob er wieder zu alter Form zurückgefunden hat.

7. Warum ist das nicht mehr dein(e) Lieblingsregisseur(in)?

Leider haben es die Jahre mit Dario nicht gut gemeint und heute scheint er alle Fähigkeiten, die ihn einst auszeichneten, verloren zu haben. Das ist traurig und darum kann ich ihn heute nicht mehr zu meinen Lieblingsregisseuren zählen. Es sei denn, man würde Früh- und Spätwerk radikal voneinander trennen, Dann wäre der „frühe“ Argento (bis „Stendhal Syndrome“) immer noch einer meiner Lieblingsregisseure.

8. Wer ist dein(e) Lieblingsschauspieler(in)?

Habe ich eigentlich nicht. Klar, gibt es einige, die ich gerne sehe, aber ich würde jetzt nicht wegen eines bestimmten Schauspielers in einen Film gehen. Von den aktuell aktiven muss ich sagen, dass mich der Herr DiCaprio immer wieder beeindruckt. Ich hoffe sehr, er verfällt nicht in den De Niro/Pacino-Modus und fängt an, auf Autopilot eine Parodie seiner selbst zu werden.

9. Wer oder was ist deine liebste Filmfigur?

James Bond. Wie diese Figur, die durchaus prägend für das Kino war, sich über 50 (!) Jahre halten konnte und immer wieder erfolgreich dem Zeitgeist angepasst wurde, sagt eine Menge über die letzten Dekaden aus. Sowohl gesellschaftlich, als natürlich auch, was das Kino und den sich wandelnden Publikumsgeschmack angeht. Und um noch einmal den Bogen zu Frage 2 zu schlagen: Jason Robards als Cheyenne in „Spiel mir das Lied vom Tod“.

10. Auf welche(n) kommende(n) Filme freust du dich am meisten?

Natürlich auf Von Triers „Nymphomaniac„. Und jetzt in nächster Zeit „Fliegende Liebende“ von Almodóvar, „Only God Forgives“ von Winding Refn, sowie „La Vénus à la fourrure“ von Polanski und mein jährlicher Woody Allen, der diesmal „Blue Jasmin“ heißt.

11. Wenn du das Geld und/oder die Möglichkeiten hättest, über was würdest oder wen du einen Film drehen oder was möchtest du generell mal verfilmt sehen?

Das habe ich in der Tat schon gemacht. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann ja mal googeln.

Weitere Blog-Autoren, die auch noch von dem Stöckchen getroffen wurden, sind:

Filmherum

Medienjournal

Moviescape

Xanders Blog

Going to the Movies

Leons Filmreviews

Review-Corner.de

Mehr habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Wer nachgetragen werden möchte, möge sich bitte kurz melden.

Jetzt müsste ich Ihn nur noch weitergeben. Ich schließe also fest die Augen, dreh mich 10x um die eigene Achse und lasse los…. Oh, sieht so aus, als hätte ich das Couchmonster getroffen. Sorry!!!!

Edit: Ich fühle mich gerade wie Robert Fleming aus dem wunderbaren Roman „High Fidelity“. Nach zwei Stunden pausenlosem „Ach, den/das habe ich noch vergessen“, habe ich in den Antworten zu Frage 4 und 10 noch etwas geändert.

7 Antworten für “Kam ein Stöckchen geflogen…”

  1. bullion sagt:

    Ich konnte mich nicht auf einen Lieblingsfilm festlegen. Unmöglich. Wie du schreibst ist dies sehr stimmungsabhängig und somit habe ich meine Auswahl schweren Herzens auf eine Top 10 reduziert… 😉

  2. Wortman sagt:

    Dario Argento – lange nicht mehr diesen Namen gelesen 😉
    Zwei glorreiche Halunken ist super.

    Ich bin 2009 aus Bremen weg. Wo wohnst du denn da?

  3. Marco Koch sagt:

    Hi Wortman. Na, wo wohl? In Walle wohn’se alle. 🙂

  4. Spiel mir das Lied vom Tod ist doch eine super Antwort. Kommt bei mir direkt nach dem Paten (und dann King Kong). Das ist so ein Film der Kino als Ganzes in sich vereint. Meine Szene ist immer noch „Jill’s America“, wo sie ankommt und die Kamera dann über den Bahnhof den Blick auf die Stadt freigibt. Diese kleinen Signale, die Stimmung, die Bewegung und der Sound, da schüttelt es mich mit einer Gänsehaut von den Ausmaßen einer schlaglöchrigen Reichsautobahn und Rotz und Wasser fließen. Wenn das mal übertroffen wird, sterbe ich.

    Hitchcock hat wohl noch mal einen Award verdient, für das, was er nachwirkend mit seinem Lebenswerk geleistet hat. Auffällig: Alle 5 von mir getaggten Blogs nennen ihn.

    Übrigens ist Dr. Mabuse länger im Kino unterwegs als James Bond, nur nicht so regelmässig. Da gab es wohl ein angeblich sogar gutes Independent Remake von Der Spieler bzw. eine Verfilmung des Originalromanes von Norbert Jacques.

  5. Eule sagt:

    Jean Rollin, ach, da bekommt man ja fast Tränen in den Augen, wenn man so etwas liest. Viel zu unbekannt der Mann.

  6. Dass Hitchcock so oft genannt wird (von mir u.a. auch), überrascht mich weiterhin – und freut mich. Denn er war neben David Lynch der Regisseur, der mich zu einer tiefergehenden Beschäftigung mit Film gebracht hat.

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