DVD-Rezension: “Kommissar X – Drei goldene Schlangen”

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In Thailand wird die junge Phyllis entführt. Ihre Mutter, die Millionärin Maud Leighton, bittet den, sich zu dieser Zeit zufällig in Thailand befindlichen, Captain Tom Rowland um Hilfe. Dieser engagiert sogleich seinen Kumpel Jo Walker alias Kommissar X. Gemeinsam versuchen sie hinter das Geheimnis des Entführungsfalles zu kommen. Dabei stoßen sie auf die geheimnisvolle Madame Kim So. Diese gibt nach außen die Wohltäterin. In Wahrheit aber lässt sie junge Mädchen verschleppen und auf einer Insel gefangen halten, um sie dann Sex-Touristen als Zeitvertreib anzubieten. Jo und Tom setzen alles daran, Kos Pläne zu durchkreuzen und die Mädchen aus den Klauen der Menschenhändlerin zu befreien.

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Nun heißt es leider Abschied nehmen von Jo Walker alias Kommissar X und seinem Kumpel Captain Rowland. Nach sechs Abenteuern mit den Beiden, ist die Kommissar-X-Reihe bei Anolis nun abgeschlossen. Der letzte Film, „Kommissar X jagt die roten Tiger“, der zwei Jahre nach „Drei goldene Schlangen“ entstand, wird wahrscheinlich irgendwann von einem anderen Label heraus gebracht. Schade, denn ich wäre sehr gespannt gewesen, was der legendäre Karl-May- und Edgar-Wallace-Regisseur Harald Reinl aus dem Stoff gemacht hat. So aber bleibt „Drei goldene Schlangen“ erst einmal der letzte auf DVD erschienene Kommissar-X-Film.

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Und dieser unterscheidet sich von seinen Vorgängern deutlich. Vom James-Bond-Flair und -Glamour keine Spur mehr. Im Vergleich zu den ersten Filmen ist „Drei goldene Schlangen“ weitaus rauer und auch härter. Hier wird konsequent fortgeführt, was in „Drei blaue Panther“ zaghaft begonnen wurde. Jo Walker wird zurück an seine Pulp-Wurzeln geführt. Ungewohnt für die Reihe gerät Jo Walker zweimal in echte Lebensgefahr, wird von seinen Feinden besiegt und muss unter Folter leiden. Natürlich geriet er in den andern Filmen auch in tödliche Situationen, diese waren aber so leicht und spielerisch inszeniert, dass man nie wirklich um seinen Helden bangte. Hier wird – im Rahmen eines Unterhaltungsfilmes – aber ernst gemacht. Ebenfalls ein Novum sind die Nuditäten. Zuvor war ein sexy Bikini das höchste der Gefühle. Hier aber werden die nackten Brüste der – einheimischen – Frauen reihenweise vorgeführt. Man merkt, die Zeiten haben sich geändert.

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„Drei goldene Schlangen“ wurde zu großen Teil auch vor Ort in den Slumquartieren Thailands gedreht. Vorbei die exotischen Touristenattraktionen, die z.B. noch „Drei grüne Hunde“ als Kulisse dienten. Die Welt von „Drei goldene Schlangen“ hat gar nichts Touristisches. Dass man direkt vor Ort war bemerkt man, wenn man einmal in die Gesichter der Statisten blickt. Diese wurden direkt vor den Türen ihrer armseligen Hütten gefilmt und blicken zum Teil direkt in die Kamera oder – in einer entlarvenden Szene – halten sich vor dem Schuss schon die Ohren zu (oder war das eine sehr subtile Hommage an Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“?). Dieser Realismus passt gar nicht zur zuvor über mehrere Filme aufgebauten, künstlichen Eurospy-Welt. Besonders krass wird der Gegensatz dann zu der extrem kalauernden Rainer-Brandt-Synchro, die Vollgas gibt und so gar nicht zur eher raueren Stimmung des Filmes passt.

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Regisseur Roberto Mauri, der mit Brad Harris auch den genial betitelten „Nackt unter Affen“ drehte, unterscheidet sich im Stil deutlich von seinen Vorgängern Franco Parolini (der hier aber noch am Drehbuch mitschrieb) und Rudolf Zehetgruber. Sein Stil erinnert stark an die Jess-Franco-Filme, die dieser Ende der 60er für Alan Towers drehte, insbesondere die Fu-Manchu-Teile (vielleicht auch wegen des asiatischen Themas und der Dreistigkeit mit der eine Szene aus „Drei blaue Panther“ einfach recyclt wurde). Personen werden fast immer in der Halbtotalen aufgenommen, die Aufnahmen sind oftmals recht dunkel und die Hintergründe wirken eng und geben dem Bild einen leicht klaustrophobischen Touch.Oftmals wird auch wild auf die Gesichter gezoomt oder aus schrägen Winkeln gefilmt. Auch das Sujet der Gefangeneninsel, auf der unter Drogen gehaltene und gefesselte Frauen barbusig in Bambusverschlägen als willige Sex-Sklaven für reiche Gäste dienen, scheint eher dem Franco’schen Universum, als dem des immer fröhlichen James-Bond-Derivat Kommissar X zu entstammen.

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Ob man sich nun mit diesem „neuen“ Kommissar X anfreunden kann oder nicht, bleibt dem Geschmack des Zuschauers überlassen. Ich für meinen Teil fand diese Rückbesinnung auf Kommissar Xs Ursprünge im billigen Groschenheft recht interessant. Wobei die Blödel-Synchro natürlich überhaupt nicht ins Bild passt und vor dem Hintergrund einige Härten unangenehm zynisch erscheint. Ebenfalls vermisst man etwas die aus deutschen oder italienischen Produktionen bekannten und beliebten Gesichter als Nebenfiguren. Außer Herbert Fux, der nur am Anfang des Filmes auftaucht, um dann bis zum Finale plötzlich zu verschwinden, und Stuntman Pino Mattei, wird vor allem auf einheimische Kräfte zurückgegriffen. Auch die Damen sind eher unbekannt und haben kein reichhaltiges Werk in der Filmgeschichte hinterlassen.

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„Drei goldene Schlangen“ ist ein sehr ungewöhnlicher Eintrag in die Kommissar X Reihe. Eher rau und mit einigen Härten ausgestattet, erscheint er hier fast wie ein Fremdkörper. Auch thematisch würde er eher in die Welt eines Jess-Franco-Films passen. „Drei goldene Schlangen“ bietet mehr eine dreckige Pulp-Geschichte als glamourösen Eurospy. Von daher bleibt es dem Geschmack des Zuschauers überlassen, ob er den letzten Eintrag in die „Kommissar X“-Reihe nun als einen Höhe- oder Tiefpunkt der Reihe ansieht. Interessant ist der neue Weg auf jeden Fall, nur die hier völlig unpassende Klamauk-Synchro stört.

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Die letzte DVD aus der Anolis-Reihe ist wieder mit reichlich Extras ausgestattet. Neben dem Trailer und dem üblichen Werbematerial, findet sich auch wieder eine Super-8-Fassung mit auf der Scheibe. Absolutes Highlight ist aber ein aktuelles 45-minütiges Interview mit Brad Harris, der sich in einer hervorragenden Plauderlaune befindet und viele interessante (und unglaubliche) Geschichten zu allen Kommissar-X-Filmen zu erzählen weiß. Dabei nimmt er wahrlich kein Blatt vor den Mund und tituliert auch schon mal Rudolf Zehetgruber als Arschloch. Für alle Kommissar-X- und Brad-Harris-Fans ein Muss!

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