DVD-Rezension: “14 Schwerter”

China im 11. Jahrhundert. Der Yang-Clan beschützt seit Jahrhunderten das Land vor Feinden. Als Yang Zongbao, der Anführer der Yangs, im Kampf gegen die feindlichen Xia fällt, machen sich die Witwen des Yang-Clans auf, den Xiao gegenüberzutreten.

Jackie Chan produziert das Remake eines Shaw-Brothers-Klassikers.  Und dann noch eines des sehr beliebten „14 Amazons“ aka „Die Rache der Gelben Tiger“. Garniert wird das Ganze mit vielen wunderschönen Frauen und der große alte Dame des Martial-Arts-Kinos, „Golden Swallow“ herself, Cheng Pei-Pei. Was soll da schon großartig schief gehen? Die Antwort lautet leider: Alles.

Regisseur Frankie Chan scheint von allen guten Geistern verlassen gewesen sein, als er „14 Schwerter“ drehte.  Mit dem vielen Geld, das er zur Hand hatte, weiß er rein gar nichts anzufangen. Sein Film sieht trotzdem aus wie eine Low-Budget-Laienspielvorführung. Und in Sachen Schauspielführung muss Herr Chan ebenfalls noch kräftig lernen. Wenn in „14 Schwerter“ jemand stirbt, gibt er gleich den sterbenden Schwan. Auch sonst ist viel zu viel Enthusiasmus in den Darstellungen vorhanden. Vom technischen Standpunkt aus gesehen muss man leider konstatieren, dass „14 Schwerter“  auch hier einen eher amateurhaften Eindruck macht. Das fängt bei den grottenschlechten CGI-Effekten an, die beinah schon an selige C64-Zeiten erinnern, und geht über die Kampfchoreographie weiter, die noch nicht einmal den Anschein erwecken möchte, als würden hier reale Menschen reale Kämpfe durchführen. Sofern man bei den schnellen Schnitten, Computergrafiken und an Seilen hängenden Darstellern überhaupt noch von so etwas wie Choreographie sprechen mag.

Und was, bitte schön, ist mit Frankie Chans Augen los? Sieht er denn nicht, dass seine Figuren in JEDER Actionszene viel zu schnell aufgenommen sind, und egal, ob sie nun durch die Wüste laufen, reiten oder kämpfen, sich wie Figuren in einem Stummfilm, der zu schnell abgespielt wird, bewegen? Was soll das? Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass sich alle Darsteller in den Kampfszenen sehr langsam bewegt haben müssen und jetzt mit Zeitraffer Tempo erzeugt werden soll. Das sieht einfach nur dämlich aus. Wie die Keystone-Cops auf Speed. Die These, dass Frankie Chan seines Augenlichts beraubt wurde, untermauert auch die Wahl seiner Darsteller. Der junge Yang Wenguang soll laut Geschichte 18 Jahre sein, sein Darsteller Xiao Ming Yu sieht aber aus wie Mitte 20 und damit fast so alt, wie die auf jung geschminkte, 32jährige Cecilia Cheung, die seine Mutter (!) spielt. Dem Fass den Boden ausgeschlagen wird aber mit der Besatzung der Großmutter von Yang Wenguang. Eine wunderschöne Dame, gewiss, aber sie sieht aus, wie gerade einmal um die 40.  Gänzlich verschwendet ist  Cheng Pei-Pei, als Urgroßmutter (!), die aussieht, wie ein unter einem Gummihelm gepresster Teletubby, und die zumeist nur dekorativ in der Gegend herumsitzen darf.

Überhaupt mal ein Wort zur Handlung: Verworren, zu lang und dann auch noch völlig ohne irgendwelche Empathie für einen der Charaktere. Manchmal bekommt man gar nicht mit, wer jetzt gerade gestorben ist und welche Funktion er oder sie in der Geschichte ausgeübt hat. Es ist einem auch egal. Von den dümmlichen und platten Dialogen spreche ich jetzt gar nicht erst. Interessanterweise soll der Film ja scheinbar zeigen, dass Frauen ebenso gut kämpfen können wie Männer. Dieser, na ja, nennen wir ihn mal wohlwollend „feministische“, Ansatz wird aber ad adsurdum geführt, weil sich durch die Bank ALLE Damen wie hysterische, kleine Teenie-Mädchen verhalten.

Regelrecht nervtötend  ist die monotone Art, mit der Frankie Chan Bedeutung und Action vorgaukelt. Die Einstellung beginnt immer irgendwo im Nichts und dann wird die Kamera dramatisch herumgerissen und mit einem schrecklich bedeutungsvollen WUUUUUMMMSSS auf eine Person gezoomt. Das mag beim ersten Mal, und wenn man noch nie einen Film gesehen hat, noch Wirkung erzielen. Aber auch der gutmütigste Zuschauer aller Zeiten dürfte dieser Mätzchen spätestens beim 10x überdrüssig sein.

Aber vielleicht hat Frankie Chan auch die ganze Sache missverstanden und glaubte, er solle eine Parodie drehen. Dies würde nicht nur das hemmungslose Overacting, sondern auch die, sagen wir mal „fantasievollen“, Kostüme erklären. Wenn dem so sein sollte, dann ist er allerdings auch mit diesem Versuch gescheitert, denn diese Ansammlung an Blödsinn und Inkompetenz lädt hier und dort zwar in der Tat zum Lachen ein, aber es ist ein freudloses, mittleidiges Lachen.

Ich gebe zu, ich habe es nicht geschafft, den Film in einem Rutsch zu gucken. Nach 45 Minuten war erst einmal Pause und Erholung angesagt. Zu den restlichen 100 Minuten konnte ich mich nur mit schier masochistischer Selbstüberwindung zwingen. Aber, was soll ich sagen? Es wurde nicht besser. Somit ist der Abspann am Ende noch das einzig Positive. Denn nicht nur ist der Film endlich aus, es werden auch, nach guter, alter Jackie-Chan-Manier, nette und lustige  Impressionen vom Dreh gezeigt.

Mehr lohnt es sich nicht, über dieses Desaster zu schreiben. Deshalb zum Abschluss nur noch ein paar kurze Worte zur DVD. Diese liegt in einer sehr ansprechenden Bild- und Tonqualität vor. Die Synchro ist okay. Als einziges Extra hat es der Trailer auf die Scheibe geschafft.

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