BluRay-Rezension: “Die Seven-Ups”

Die „Seven-Ups“ sind eine geheime Spezialeinheit der New Yorker Polizei, die sich auf die ganz großen Fische konzentriert. Daher auch der Name: “Seven-Ups“ heißt, dass die Leute, die die Einheit festnimmt, mindestens für sieben Jahre in den Knast gehen. Eher zufällig werden die „Seven-Ups“ in eine Reihe von Entführungen involviert, bei denen einflussreiche Mitglieder der lokalen Mafia gekidnappt und gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen werden. Als einer der „Seven-Ups“ sein Leben lassen muss, schlagen seine Kameraden unbarmherzig zu…

Die Seven-Ups“ gehört in die Kategorie Filme, die heute so nicht mehr gedreht werden. Schaut man sich die Polizei-Thriller der letzten Jahre an, so haben selbst Filme, die sich einen gewissen Realismus auf die Fahnen geschrieben haben – wie z.B. „Helden der Nacht“ – einen Hang zum Stylischen. Dieser geht den „Seven-Ups“ völlig ab. Die Inszenierung erinnert mehr an die geliebten US-Polizeiserien der 70er Jahre, wie „Einsatz in Manhattan“ oder „Die Straßen von San Francisco“.

Ebenso unglamourös wie das Bild kommen die Darsteller daher. Der äußerst markante Roy Scheider und auch Tony Lo Bianco wirken, wie direkt von der Straße weg engagiert. Sie agieren völlig natürlich, verfallen nie in Posen. Unter den Nebendarstellern tummeln sich viele bekannte Gesichter. So spielt Ken Kercheval, der Cliff Barnes aus „Dallas“, einen der Seven-Ups, dessen Schicksal hier schon seinen ewigen Loser aus der Erfolgsserie vorweg zu nehmen scheint. Joe Spinell, der sieben Jahre später mit der Titelrolle in „Maniac“ unsterblich werden sollte, sieht man in einer kleinen Rolle als Garagenbesitzer, und schließlich hält auch noch ein sehr junger Richard Lynch seine verbrannte Visage in die Kamera. Lynch spielte übrigens zusammen mit Tony Lo Bianco in Larry Cohens apokalyptischem Horrorklassiker „God Told Me To“ und war bis Ende der 80er ein gerne gesehener Gast in Low-Budget-Horrorproduktionen, wo er – bei seinem Gesicht kein Wunder – fast immer die Bösen spielte. Leider verstarb der charismatische Mime in der letzten Woche. Sein letzter Film wird damit Rob Zombies neustes Werk „The Lords of Salem“ sein, dass irgendwann im Laufe diesen Jahres veröffentlicht wird.

Frauen kommen in „The Seven-Ups“ so gut wie gar nicht vor. Die Seven-Ups selber scheinen keinerlei Privatleben zu führen. Nie sieht man sie außerhalb des Jobs, immer scheinen sie im Einsatz zu sein. Die „Seven-Ups“ sind eine hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, eine Familie mit einem eigenen Codex und Ehrbegriff. Ganz wie bei den Mafiosi, die sie bekämpfen. Wobei die Anfangssequenz nahelegt, dass es sich für sie hier weniger um einen Kampf, als vielmehr um ein Spiel handelt. Erst als einer der ihren angegriffen wird, schlagen sie skrupellos und nur ihren eigenen Regeln gehorchend zurück. Somit sind die „Seven-Ups“ als Allegorie auf die kämpfende Truppe in Vietnam zu sehen, die ja auch eine persönliches, nur der eigenen Einheit verpflichtetes, Gesetz entwickelte und Angriffe auf die Einheit unbarmherzig bestraft. Hier sei z.B. an das My-Lai-Massaker erinnert.

Andererseits agieren die Seven-Ups auch ganz ähnlich, wie es die faschistoiden Polizisten in dem zweiten Dirty-Harry-Film „Calahan“ tun. Nur dass sie, im Gegensatz zu den Vigilanten dort, in dieser Geschichte die Helden und nicht die Schurken sind. Aber im Grunde operieren sie genauso außerhalb des Gesetzes. Da wird in fremde Häuser eingebrochen und die unschuldige Ehefrau eines – nicht unsympathischen – Mobsters bedroht; Verdächtige gefoltert und die Drahtzieher nicht etwa der Justiz überantwortet, sondern der Mafia zum Fraß vorgeworfen.

Der inszenatorische Mittelpunkt des Filmes stellt eine 10minütige Auto-Verfolgungsjagd dar, die von den besten ihrer Zunft in Szene gesetzt wurde. Stuntfahrer Bill Hickman (der im Film auch eine kleine Rolle als zweiter Schurke neben Richard Lynch hat) war bereits für die legendären Autoszenen in „Bullitt“ und „French Connection“ verantwortlich. Diese Jagd hier steht eindeutig in dieser Tradition und ist den berühmteren Filmen mindestens ebenbürtig. Das ist auch kein Zufall. Philip D’Antoni , für den „Die Seven-Ups“ die einzige Regiearbeit blieb, war von Haus aus Produzent. Und als solcher auch für eben „Bullitt“ und „The French Connection“ verantwortlich. Bedenkt man, dass Roy Scheiders Charakter in „The French Connection“ und „Die Seven-Ups“ auf den Namen Buddy hört (auch wenn der Nachname unterschiedlich ist) und die Schauplätze identisch sind, kann man hier durchaus von einem Spin-Off zu William Friedkins erfolgreichem Klassiker sprechen.

Die BluRay von Koch Media hat, neben den Trailern, leider nur noch ein Extra an Bord. Dies ist aber von daher sehr interessant, dass es sich hier um zeitgenössisches Material handelt. Ein Werbefilm, in dem der Dreh der Autoverfolgungsjagd dokumentiert wird. Allein aufgrund des Zeitkolorits sehenswert. Das Bild ist für das Alter des Filmes sehr gut, wenn es auch in lichtärmeren Szenen zu einer extrem starken Körnung und Rauschen kommt. Was allerdings am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Ich muss allerdings sagen, dass ein Film von 1973 auch gerne so aussehen darf wie von 1973. Glattpoliert und zu Tode gefiltert würde er auch eine Menge an rauem Charme und vor allem Direktheit verlieren. Da mir eine BluRay vorliegt, kann ich diesmal leider keine Screenshots machen, sondern bin auf Pressematerial angewiesen.

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