DVD-Rezension: “Point Blank – Aus kurzer Distanz”

Der Krankenpfleger Samuel führt ein glückliches Leben. Seine wunderschöne Frau ist hochschwanger und er selbst steht kurz vor einer Prüfung, die ihn beruflich weiterbringen wird. Doch dann bricht diese heile Welt plötzlich zusammen. Seine Frau wird entführt und er gezwungen, einen geheimnisvollen, unter Polizeibewachung stehenden, Patienten aus dem Krankenhaus zu schmuggeln. Und so muss Samuel plötzlich mit allen Mitteln um das Leben seiner schwangeren Frau kämpfen. Verfolgt von Gangstern, korrupten Cops und der Polizei. Seine einzige Hilfe ist der geheimnisvolle Fremde…

Wie bereits in seinem großen Erfolg, dem Thriller „Pour Elle“ (Ohne Schuld), der gerade in Hollywood als „72 Stunden – The Next Three Days“ mit Russell Crowe verfilmt wurde, geht es auch in Fred Cavayés neuem Film  um einen normalen Durchschnittsmenschen, der unvermittelt  in eine kriminelle Welt gezogen wird.

Allerdings sollte man bei Cavayés rasantem Action-Thriller „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ möglichst schnell sein Gehirn auszuschalten. Zu groß sind nämlich die Unmöglichkeiten und Logikfehler, die der Regisseur und Drehbuchautor seinem Publikum zumutet. Das beginnt bereits beim explosiven Einstieg in den Film. Da wird ein schwerverletzter Mann von zwei Killern verfolgt. Er kann sich kaum auf den Beinen halten und schleppt sich verzweifelt voran. Trotzdem gelingt es den beiden Sprintern hinter ihm nicht, ihn einzuholen. Dann wird  der Verletzte auch noch von einem dahinrasenden Motorrad angefahren und fliegt gut und gerne 20 Meter durch die Luft (ein nicht sehr überzeugender CGI-Effekt). Trotzdem kann er einige Szenen später vom Krankenbett aufspringen, rennen und kämpfen als sei nichts passiert. Selbstverständlich sollte man bei Actionfilmen nie die Logikfrage stellen. Auch Hitchcock waren die „Logikkrämer“ ja ein Graus. Aber wenn man so offensiv, wie hier in „Point Blank“, immer wieder neue und immer größere Unwahrscheinlichkeiten auftischt, muss man mit einem gewissen Murren des Publikums rechnen. Immerhin kann man  Cavayé attestieren, dass er das Tempo seines Filmes so hoch hält, dass man nicht immer zum Nachdenken kommt.

Nach einer gelungenen Einführung seines Protagonisten Samuel, ausgesprochen sympathisch von Gilles Lellouche als „Herr Jedermann“ gespielt, geht es beherzt zur Sache. Bis zum Schluss wird dem Zuschauer kein Durchatmen mehr gegönnt. Dabei profitiert der Film nicht nur von dem sympathischen Lellouche, sondern vor allem durch die großer Präsenz von Roschdy Zem, der hier das geheimnisvolle Opfer aus dem Auftakt gibt. Sein Hugo Startet würde durchaus  einen eigenen Film verdienen. Ein professioneller Einbrecher, der scheinbar über die besten Kontakte in der Pariser Unterwelt verfügt und gleichzeitig eiskalt über Leichen geht. Von Zem mit einer Mischung aus Brutalität, eiskalter Professionalität  und Eleganz angelegt. So ist man fast ein wenig enttäuscht, wenn er mal kurz aus der Handlung verschwindet und diese sich ganz auf Samuels verzweifelte Suche nach seiner Frau konzentriert.

Der in der Werbung gezogene Vergleich zu Hitchcock ist natürlich Quatsch. Auch wenn der Film mit dessen Lieblingsthema, des unschuldig von der Polizei Verfolgten, spielt, so liegen doch Welten zwischen der brachialen Action hier und den fein ausgearbeitet Schreckenszenarien des großen Meisters. „Point Blank“ ist im besten Sinne des Wortes bodenständig, ganz ohne einen größeren Anspruch zu haben, als nur rasant zu unterhalten.  Dies gelingt ihm auch sehr gut und gerade daher ist es ärgerlich, dass auf das Drehbuch nicht mehr Sorgfalt verwandt wurde.  Auch die sinistere Rolle des Polizei-Kommandanten Werner hat man so schon tausendmal gesehen, zuletzt in dem im April erschienenen „Sleepless Night“, mit dem sich dieser Film nicht nur die hohe Geschwindigkeit, sondern das Thema der verzweifelten Suche nach einer Geisel (hier die hochschwangere Ehefrau, dort der minderjährige Sohn) teilt. Insgesamt kommt der angenehm kurze und damit auch kurzweilige „Point Blank“ als rasante Achterbahnfahrt daher, bei der man allerdings nicht allzu sehr nachdenken und die Fähigkeit besitzen sollte, auch mal beide Augen zuzudrücken.

Die DVD der Firma Koch Media lässt keine Wünsche offen. Ein gestochen scharfes Bild und ein sehr dynamischer Ton sorgen für Freude. Als Extra gibt es ein 50-minütiges Making-Of, welches einen sehr guten und informativen Blick auf die anstrengenden Dreharbeiten gewährt. Einzig Regisseur Fred Cavayé klopft sich im Interview etwas zu häufig selber auf die Schulter.

Die DVD und die BluRay sind ab dem 25.Mai im Handel erhältlich.

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