DVD-Rezension: “Livid – Das Blut der Ballerinas”

Die junge Lucie nimmt in ihren Schulferien einen Job als mobile Altenpflegerin an. Die erste Tour führt sie auch auf das gewaltige Anwesen der ehemaligen Ballet-Lehrerin Madame Jessel, die seit Jahren im Koma vor sich hinvegetiert. Ihre Ausbilderin deutet an, dass die sehr reiche Jessel irgendwo in Haus einen Schatz versteckt hat. Dies erzählt Lucie später am Abend ihrem Freund William, der sofort auf die Idee kommt, in das Haus einzudringen, um den Schatz zu suchen. Lucie ist zunächst nicht begeistert von der Idee, lässt sich dann aber doch überreden. Zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Ben machen sie sich mitten in der Nacht auf zur Villa der alten Jessel. Dort müssen sie allerdings feststellen, dass es in dem Haus noch ganz andere Dinge zu entdecken gibt. Tödliche Dinge…

Nach ihrem ultrabrutalen Debüt „Inside“ dauerte es vier Jahre bis das Regie-Dou Alexandre Bustillo & Julien Maury den Nachfolger zu diesem Klassiker der „neuen harten Horror-Welle“ fertigstellten. Um es vorweg zu nehmen, auch in „Livid“ sparen sie nicht am Kunstblut, legt jedoch der Schwerpunkt des Filmes auf der unheimlichen Stimmung in der Jessel-Villa. So sind auch die ersten 2/3 des Filmes besonders stark, wenn immer irgendetwas Grausiges in den finsteren Schatten außerhalb des Lichtkegels der Taschenlampe zu lauern scheint.

Dementsprechend verliert der Film an Wirkung, wenn dann tatsächlich die Geister in Aktion treten und das Blut zu spritzen anfängt. Das unheimlichste Monster ist eben immer das, welches man nicht sehen kann. Bustillo & Maury scheinen sich dieses Bruches in der Spannungskurve, der durch erklärende Rückblenden noch verstärkt wird, bewusst zu sein und diesen durch derbe Splatter wieder ausgleichen zu wollen. Dies gelingt aber nur bedingt. Was den Film dann wieder auf die richtige Spur bringt, ist die märchenhaft-poetische Stimmung in die ihn Bustillo & Maury zum Ende hin plötzlich umkippen lassen. Hier finden sie im Grauen einige wunderbar poetische Bilder und der melancholisch-schöne Schluss erscheint mehr aus einem Märchenfilm, weniger aus einem beinharten Horrorfilm zu stammen.

Insgesamt wirkt der Film durch diese Brüche etwas uneinheitlich. Auch werden einige Subplots angerissen, aber nie wirklich befriedigend ausformuliert (was ist mit den verschwunden Kindern? Wer sind die drei Kinder-Ballerinas, die plötzlich auftauchen und dann wieder verschwinden?). Aber immerhin haben Bustillo & Maury den Mut das große Mysterium, welches Madame Jessel und ihre Tochter umgibt, zum großen Teil im Dunkeln zu lassen. Dadurch wird die Fantasie der Zuschauer angeregt und lädt zur interessanten Spekulationen über die wahre Natur der beiden ein. Eine weitere Stärke des Filmes liegt in der Charakterzeichnung der drei Jugendlichen, die durchaus lebendig und nicht unbedingt wie das 08/15-Kanonenfutter aus anderen Horrorfilmen agieren.

Zwar können sich Bustillo & Maury, was ihre männlichen Hauptdarsteller angeht, einige Klischees nicht verkneifen, sie geben den beiden aber genug Raum, um ihre Charaktere mit Leben auszufüllen. Insbesondere das Spiel der sehr hübschen jungen Chloé Coulloud muss gesondert gelobt werden, da sie es schafft, wirkliches Interesse an ihrer Figur zu wecken, so dass der Zuschauer den ganzen Film über an Lucies Schicksal teilnimmt.

Ein schlichtweg genialer Coup allerdings ist die Besetzung der Madame Jessel mit der berühmten französischen und Choreographin Balletttänzerin Marie-Claude Pietragalla. Ihr strenges, knochiges Gesicht, das insbesondere in den Rückblenden auch ohne jegliches Make-Up stark an den großen Nosferatu-Darsteller Max Schreck erinnert, kann einen noch lange bis in die Träume hinein verfolgen.

Auch die Amerikaner konnten von den Qualitäten des Filmes überzeugt werden. Für 2013 ist ein US-Remake angekündigt.

Die DVD der Firma Sunfilm Entertainment besitzt ein sehr gutes Bild in 1:2,35 mit satten Farben und tiefen Schwarztönen. Der Ton wird auf Deutsch in 5.1. oder DTD, auf Französische nur in 5.1. angeboten. Untertitel: Deutsch. Leider gibt es außer Trailern für weitere Filme aus dem Hause Sunfilm keinerlei Extras. Neben der DVD wird noch eine BluRay und eine 3D-BluRay angeboten.

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