Mein persönlicher Jahresrückblick 2011

2011 neigt sich langsam, aber sicher, dem Ende zu. In der Luft liegt der Geruch von Spekulatius und Silvester-Böllern. Zeit für mich, das vergangenen (filmische) Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen.

Im Kino blieben die großen Überraschungen aus. Die üblichen Verdächtigen haben ihre neusten Werke souverän nach Hause gebracht, größere Ausfälle waren nicht zu verzeichnen. Liegt es daran, dass ich dieses Jahr bei der Filmauswahl ein ganz gutes Händchen hatte oder dass ich es leider nicht geschafft habe, mehr als nur ein Filmfestival zu besuchen? Richtige Flops hatte ich in 2011 nicht dabei. Zwar war der ein oder andere Film dabei, der mir nicht so gut gefallen hat, aber wirklich verärgert hat mich keiner. Was mich allerdings geärgert hat: Wie eben schon erwähnt, habe ich es – nach dem festivalreichen Vorjahr – diesmal nur auf einem einzigen Filmfest war. Insbesondere schmerzt mich, es nicht nach Lübeck geschafft zu haben. Aber das war dieses Jahr leider zeitlich überhaupt nicht drin. Ich hoffe 2012 wird das wieder anders sein.

Vielleicht hat sich aber auch gerade durch die erzwungene Festival-Abstinenz die Flop-Rate so stark minimiert, dass ich diese Rubrik in diesem Jahr gar nicht mit aufführe. Bei den Top 10 Kinofilmen habe ich bis zum Schluss mit mir gerungen, welcher Film es auf Platz 1 schafft. Letztendlich ist es ein Film geworden, der in Deutschland zwar bereits im November 2010 anlief, in vielen anderen Ländern (u.a. in Polen, wo ich ihn gesehen habe) erst 2011. Mit diesem kleinen Kunstgriff schafft er es dann auch in meine Jahresbestenliste: „Somewhere“ von Sofia Coppola schiebt sich knapp vor Lars Von Triers „Melancholia“ auf die Pole Position. Obwohl ich „Melancholia“ als verkappten „autobiographischen Schlüsselfilm“ (man ersetzte in der ersten Hälfte Justine mit Von Tier und die Hochzeit – auf der Justine trotz ihrer schlechten psychischen Verfassung von allen gezwungen wird „mitzuspielen“ und „fröhlich und dankbar“ zu sein, mit einem x-beliebigen Filmfestival. Da versteht man Von Tiers Auftritt in Cannes plötzlich) sehr mochte, hat mich Coppolas minimalistischer Film über die innere Leere doch länger und intensiver beschäftigt.

Die beiden schönsten „filmrelevanten“ Ereignisse waren für mich einerseits das International Filmfestival in Oldenburg, wo ich einige nette Menschen getroffen habe, und andererseits das 2. Offizielle Forentreffen des „Deliria Italiano„-Forums in Frankfurt, wo ebenfalls viele mir bereits sehr ans Herz gewachsene Leute zugegen waren.

Was nicht so toll war: Ich habe es nicht geschafft Woody Allens „Midnight in Paris“ zu schauen, da ich bis zum Schluss darauf spekuliert habe, dass der irgendwo im O-Ton läuft. Und in diesem Jahr war ich zeitlich so stark bei anderen, nicht-filmischen, Dingen eingespannt, dass sich auch mein Filmkonsum drastisch um fast ein Drittel verringert hat. Na ja… aber vielleicht ist das ja auch nicht soooo schlecht. So ist man eben gezwungen, sich auf das wesentliche zu konzentrieren.

Aber genug der langen Vorrede. Hier meine persönlichen Bestenlisten 2011.

Top 10 Kinofilme 2011

1. Somewhere (Sofia Coppola)
2. Melancholia (Lars Von Trier)
3. 22 mei (Koen Mortier)
4. Black Swan (Darren Aronofsky)
5. Carnage (Der Gott des Gemetzels) (Roman Polanski)
6. Cave of Forgotten Dreams (Höhle der vergessenen Träume) (Werner Herzog)
7. Rózyczka (Jan Kidawa-Blonski)
8. La piel que habito (Die Haut in der ich wohne) (Pedro Almodóvar)
9. Le Havre (Aki Kaurismäki)
10. Rango (Gore Verbinski)

Top 10 erstmals gesehene/nach langer Zeit wiedergesehene ältere Filme

1. My Winnipeg (Guy Maddin)
2. A Time to Love and a Time to Die (Zeit zu lieben und Zeit zu sterben) (Douglas Sirk)
3. Mr. Smith Goes to Washington (Mr. Smith geht nach Washington) (Frank Capra)
4. The Man with the Golden Arm (Der Mann mit dem goldenen Arm) (Otto Preminger)
5. Synecdoche, New York (Charlie Kaufman)
6. Na srebrnym globie (Der silberne Planet) (Andrzej Zulawski)
7. Monsieur Verdoux (Charles Chaplin)
8. Match Point (Woody Allen)
9. The Hurt Locker (Kathryn Bigelow)
10. Les demoiselles de Rochefort (Die Mädchen von Rochefort) (Jacques Demy)

Zwei herausragende Dokumentationen

1. Heavy Metal in Baghdad (Suroosh Alvi & Eddy Moretti)
2. Miesten vuoro (Nackte Männer, nackte Wahrheiten) (Joonas Berghäll & Mika Hotakainen)

Top 5 Kurzfilme

1. Unglassed Windows Cast a Terrible Reflection (Stan Brakhage)
2. Christmas U.S.A. (Gregory J. Markopoulos)
3. Kid Auto Races at Venice (Henry Lehrman)
4. C’était un rendez-vous (Claude Lelouch)
5. The Way to Shadow Garden (Stan Brakhage)

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