Illegale Streaming-Seite “kino.to” gesperrt – Betreiber festgenommen

Von , 9. Juni 2011 21:35

kino.to  kannte ich bisher nur von Kollegen, die mir immer wieder erzählten, dass sie darüber die neusten Kinofilme geschaut hätten. Ich selber habe die Seite mangels Interesse nie angesurft. Ich finde, Filme gehören ins Kino und wenn ich die Chance habe einen Film, der mich interessiert, auf der großen Leinwand zu sehen, dann ergreife ich sie. DVDs und BluRays sind da nur Ersatzbefriedigungen.

Aber wahrscheinlich bin ich da hoffnungslos altmodisch, denn laut der Website GamersGlobal hatte kino.to zuletzt um die 4.000.000 Besucher täglich (andere Quellen sprechen allerdings eher von Hundetausenden) und gehörte damit zu den meistbesuchten Internet-Seiten überhaupt.  Das sind eine Menge Fans, die heute Abend auch zurück schlugen und die Website der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die selbst gegen die kino.to-Betreiber ermittelt und schließlich Strafantrag gestellt hatte, blockierten.

Gegen kino.to wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen ermittelt. Die Polizei durchsuchte 42 Wohnungen, Büros und Rechenzentren in 20 Orten, darunter Zwickau, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Nürnberg und München sowie in Frankreich und Spanien. 13 Personen wurden bisher festgenommenen.

Wer sich im Netz über kino.to umsonst die neusten Filme angeschaut hat, muss aber bisher noch nichts befürchten. Die Frage, ob sich auch die Nutzer von kino.to strafbar gemacht haben, ist laut Staatsanwaltschaft erst einmal zurückgestellt worden. Denn bislang gibt es noch kein Urteil zur Nutzung von urheberrechtlich geschützten Streaming-Inhalten.

Natürlich sind die Betreiber von kino.to keine Filmliebhaber, die ein Kulturgut unter die Leute bringen wollen (wie z.B. die Leute hinter dem nicht-kommerziellen UBUWEB-Projekt, welches sich ja auch in einer Grauzone befindet). Hier geht es um knallharte Geschäfte. Die Betreiber erzielten ihre Einnahmen aus Internet-Werbung für Glücksspiele und Pornographie, die auf ihrer Seite geschaltet war. Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten werden auf siebenstellige Euro-Beträge geschätzt.

Wie gesagt, für mich war kino.to nie ein Thema und ich kann nicht sagen, dass ich traurig wäre, dass diese Seite aus dem Netz verschwindet. Denn nur mit dem Geld aus der Kinoauswertung und den DVD/BluRay-Verkäufen können kleinere, unabhängige Produktionen überhaupt überleben. Und wenn es die dann irgendwann nicht mehr gibt, weil es sich finanziell einfach nicht mehr lohnt, dann wird nur der großbudgetierte Mainstream-Schrott übrig bleiben, der sich über Merchandising & Co. finanziert.

Allein, es ist eh nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn wie man aus ähnlich gelagerten Fällen weiß – es wird nicht lange dauern (eher Minuten als Stunden) und ein Nachfolger ist im Netz.

Hier noch zwei weiterführende Artikel zum Thema, die auch das System hinter kino.to näher beleuchten:

http://netzfeuilleton.de/2011/06/kino-to-ist-noch-nicht-zu-ende-interview-mit-einem-uploader/

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,767560,00.html

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