Kino 46 zeigt im November eine Schlingensief-Reihe

Vor Kurzem sah ich zusammen mit meiner Frau einen empfehlenswerten kurzen Dokumentarfilm mit dem Namen „Major albo rewolucja Krasnoludków“ (Der Major oder Die Revolution der Zwerge) von Maria Zmarz-Koczanowicz. Darin geht es um die, hierzulande nahezu unbekannte, „Orangen Alternative„. Einer Protestbewegung im Polen, die in den 80er Jahren unter der Führung des Studenten Waldemar Frydrych, genannt „Major“, neben der weitaus bekannteren „Solidarnoc„, gegen die kommunistische Diktatur protestierte. Dies taten ihre Mitglieder durch verrückte, lustige, manchmal schon dadaistische Aktionen. Es wurden „Happenings“ organisiert, bei denen Hunderte sich als Zwerge verkleideten, den kommunistischen Pathos mit sinnfreien-hintersinnigen Sprüchen parodierten oder als „Inflation“ verkleidet durch die Straßen galoppierten und als sie von der Polizei verhaftet wurden erklärten, die polnische Polizei hätte die Inflation gestoppt.

Natürlich kamen wir darüber ins Diskutieren, ob so eine Bewegung nur in einem repressiven Staat, wie es Polen damals war, möglich ist. Und natürlich musste ich auch gleich an Christoph Schlingensief und seine provokanten Aktionen, wie z.B. den „Ausländer Container“ oder die „Chance 2000“-Partei denken. Und mir wurde wehmütig ums Herz, denn ich merkte einmal mehr, welche große Lücke dieser nervige, penetrante, laute Provokateur doch hinterlassen hat. Nirgendwo sehe ich eine Person, die diese auch nur annähernd füllen könnte. Ja, schlimmer noch, da ist noch nicht einmal jemand, der diese Ambitionen hätte. Dieses wütend-kreative Feuer, dass in Schlingensief brannte, ist leider mit ihm verloschen. Dabei brauchen wir wirklich jemanden, der sich an uns und den für ihn nicht hinnehmbaren Umständen reibt… und zwar so lange, bis es weh tut.

Das Kino 46 zeigt im November eine kleine Retrospektive mit vier Schlingensief-Filmen. Ich gebe zu, mit diesen kann ich mich bis heute nicht wirklich anfreunden. Sie sind mir einfach einen Tick zu hysterisch und laut. Aber sie sind wichtig. Sie reiben. Und tun weh. Und das ist gut so.

Gezeigt werden:

Egomania – Insel ohne Hoffnung von 1986 (4., 6. und 9. November jeweils 20:30 Uhr)

Das deutsche Kettensägenmassaker von 1990 (13. und 17. November um jeweils 20:30 Uhr, sowie 14. November um 18:00 Uhr)

Terror 2000 – Intensivstation Deutschland von 1992 (20. und 23. November um jeweils 20:30 Uhr)

Ausländer raus! – Schlingensiefs Container von 2001 (25. und 30. November um jeweils 20:30 Uhr, sowie am 28. November um 18:00 Uhr)

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