Rezension: „Shopping Girls“ (Galerianki)

So und hier nun die gestern versprochene Review des polnischen Films „Galerianki

Gerade noch ins Kino geschafft. Die Befürchtung, dass eine eventuelle Verlängerung im Spiel Deutschland gegen England meine Kinopläne über den Haufen wirft, haben unsere Jungs ja auf recht beeindruckende Art und Weise „weggemüllert“. Also nach dem Schlusspfiff Frauchen an die Hand genommen und schnell rüber zum Kino 46, wo der Film im Rahmen der Reihe „Filmland Polen“ lief.

Auf dem Weg noch etwas WM-Atmosphäre durch laut hupende Autokorsos auf der Waller Heerstr. getankt und Punkt 18:00 an der Kasse gestanden. Zu meiner großen Verwunderung war der Film recht gut besucht. Im Anbetracht der Umstände hatte ich erwartet, dass sich gerade mal eine Handvoll Interessierter (vorwiegend weiblicher und polnischer Natur) einfinden würden. Weit gefehlt. Das Publikum war sehr homogen und im Gegensatz zu vorherigen Aufführungen nur vergleichsweise wenig polnisch sprechende Zuschauer auszumachen.

„Galerianki“ handelt von minderjährigen Mädchen, die sich vorzugsweise in großen Shopping Centern aufhalten, um dort ältere Männer anzusprechen und sich von diesen für sexuelle Gefälligkeiten teure Klamotten und andere Statussymbole kaufen zu lassen. Der Film entfachte in seinem Heimatland einen ziemlichen Skandal, da er ein bis dahin zwar existierendes, aber tot geschwiegenes Problem aufgriff. Beim Polnischen Filmfest in Gdynia wurde Regisseurin Katarzyna Roslaniec dann mit dem Preis für den besten Debütfilm ausgezeichnet.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich kann den Hype um „Galerianki“ nicht verstehen. Das Thema ist interessant und wichtig, aber die Umsetzung ist bieder und langweilig. Meines Erachtens nach kann man solch einen Stoff auf zwei Weisen verfilmen: Als schrille, cartoonesque Farce (da wär’s dann z.B. ein Job für einen Mann wie Paul Verhoeven, aber auch die japanischen „Pink-Violence“-Filme mit ihren Mädchenbanden kommen da in den Sinn), die durch eine extreme Überzeichnung auf die tiefer liegenden Probleme hinweisen. Oder als hartes Sozialdrama, welches den Zuschauer stark fordert und sich nicht scheut dahin zu gehen, wo es weh tut.

Katarzyna Roslaniec entscheidet sich für einen Mittelweg, der niemanden wirklich weh tut und zwar das Übel benennt, aber dem Zuschauer nicht zuviel zunuten möchte. Immer wieder werden gerade Schlüsselszenen abgeblendet. Als die Hauptperson ihre Unschuld an einen schmierigen Freier verliert hat dies keinerlei emotionale Wirkung auf den Zuschauer. Der abstoßende Freier wird nur kurz gezeigt, agiert meistens aus dem off. Die Handlung wird nicht gezeigt, sondern es wird dezent wie bei einer Liebesszene abgeblendet. Beim Aufblenden sieht man dann nur die junge (Nun)Prostituierte auf dem Bett kauernd in der Totalen, der Freier kommt aus der Dusche. Dies eröffnet dem Zuschauer den Ausweg, sich auf bequeme Art der Grausamkeit dieser Tat zu entziehen. War ja nicht so schlimm.

Ein andermal verfällt Katarzyna Roslaniec auf das dramaturgische Klischee, eine Nebenfigur Selbstmord begehen zu lassen, um so etwas wie eine Läuterung der Hauptperson einzuleiten. Leider gelingt der wohl beabsichtige Schock nicht. Was daran liegt, dass eben dieser Charakter eine papierene Nullnummer war, die im Film nie wirklich klar gezeichnet wurde, egal blieb und vor allem dadurch nervte, dass er ganz offensichtlich nur als dramaturgischer Kniff und nicht als menschliches Wesen konzipiert wurde (was sich auch dran zeigt, dass die Person sich in vielen Szenen einfach selten dämlich verhält). Zudem wird auch hier das „Schlimmste“ vom Zuschauer fern gehalten und er erfährt nur durch einen Dialog von der Verzweiflungstat.

Überhaupt wirkt vieles allzu zu konstruiert und ein fürs andere Mal werden kräftig die Klischees (Alkohol, prügelnde Eltern, sozialschwaches Milieu, desillusionierte Lehrer usw.) bedient, die man in einem Film mit dieser Thematik auch erwartet. Das wäre ja auch okay, wenn dies bewusst als Stilmittel eingesetzt würde (siehe meine Einleitung oben).

Aber das wird es ja gerade nicht. Der Film versucht das Problem ganz ernsthaft und furchtbar kritisch zu behandeln. Aber er tut es immer so, dass das Mainstream-Publikum bloß nicht zu sehr erschrickt. Das führt zu verkrampften Mittelmaß und ist ausgesprochen ärgerlich. Deshalb gibt es von mir auch nur eine 3/10.

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