Festival “Filmland Polen” – das Programm 2010

Das Programm für das Filmfestival „Filmland Polen“ steht jetzt fest. Nun ja, es steht schon etwas länger fest, aber durch andere Aktivitäten und meinen leider schon wieder verstrichenen Urlaub, bin ich bisher nicht dazu gekommen, davon zu berichten.

Das „Filmland Polen„-Festival zieht jedes Jahr einmal im Monat durch Norddeutschland, um die besten polnischen Filme des vergangenen Jahres auf die Leinwände deutscher Kommunalkinos (in Bremen im Kino 46) zu bringen.

Das Programm ist in diesem Jahr wirklich hochkarätig. Das letzte Jahr gilt aber auch als einer der besten Jahrgänge für den polnischen Film überhaupt. Sehr schade, dass „Rewersnicht wie geplant zum Auftakt gezeigt werden konnte. Mittlerweile habe ich mir da selber geholfen und mir in Polen die DVD des Filmes, die dort gerade frisch erschienen ist, besorgt.

Die hohen Erwartungen hat er leider nicht erfüllt, trotzdem kann ich ihn dem geneigten Zuschauer empfehlen. Wobei gewarnt werden muss: Das Thema ist schon sehr polnisch und daher hatte der Film in seinem Heimatland auch sehr viel mehr Durchschlagskraft, als er hier in Deutschland haben wird (ähnlich wie Wajdas „Katyn„). Die Kameraarbeit erinnerte mich leider mehr an Fernsehen als an großes Kino. Hervorzuheben sind aber die durch die Bank weg fantastischen Schauspieler. Auch Krystyna Janda, die ich eigentlich gar nicht mag, hat mir recht gut gefallen. Die junge Agata Buzik, die man hierzulande aus dem „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ kennt und die nebenbei noch die Tochter des polnischen Ex-Präsidenten und aktuellen Präsidenten des Europäischen Parlament Jerzy Buzek ist, macht ihre Sache ganz ausgezeichnet.

Hinzu kommen überdurchschnittliche Leistungen von Marcin Dorocinski und Anna Polony. Mir hat sehr gefallen, wie hier das Thema der Bespitzelung im kommunistischen Polen und die allgegenwärtige Überwachung durch die stalinistische Staatssicherheit zwar in eine leicht erzählte Geschichte eingeflochten wird, ohne dabei seinen Ernst und die Bedrohlichkeit zu verlieren. Da wird nichts verharmlost, aber auch nicht mit „deutscher“ Bedeutungsschwere erzählt. Das gefiel mir sehr gut.

Gut, den Film gab’s also nicht, dafür wird am 30. April im Kino 46 „Schneeweiss und Russenrot“ gezeigt, von dem ich auch an dieser Stelle schon etwas schrieb.

Weiter geht’s im Mai mit „Alles was ich liebe„. Eine Coming-of-Age-Story über vier jugendliche, die 1981 eine Punk-Band gründen wollen. Den Hintergrund der Geschichte bildet die „Solidarnoc“-Bewegung und die Streiks auf der Danziger Werft. Den Regisseur kenne ich bisher nur von seinem netten, aber sehr TV-mäßigen „Tulipany„. „Alles was ich liebe“ gewann letztes Jahr den Publikumspreis beim Polnischen Filmfest.

Im Juni folgt dann, der in Polen ebenfalls sehr erfolgreiche, „Shoppig Girls“ für den die Regisseurin Katarzyna Rosłaniec letztes Jahr als beste Regie-Debütantin ausgezeichnet wurde. Eine Mädchen-Clique hängt in der Konsumwelt der Einkaufszentren herum und lässt sich von älteren Herren die Einkäufe bezahlen – gegen Sex. Als eine Neue zur Clique stößt, kommt es zu Konflikten.

Im September folgt mit „Haus des Bösen“ ein Höhepunkt des diesjährigen Programms. Dieser Film wurde mir überall wärmstens empfohlen, daher sind meine Erwartungen hier recht hoch. Es geht um ein fürchterliches Verbrechen, welches sich 1978 auf einem einsamen Bauernhof ereignet. So wie um die Untersuchungen, die später während des Kriegsrechts durchgeführt werden.

Der Oktoberfilm „Null“ hat ebenfalls schon viele Vorschusslorbeeren bekommen, u.a. in der aktuellen „Splatting Image“. Es geht um die Schicksale einiger Menschen in einer anonymen Metropole, deren Wege sich immer wieder kreuzen und deren Schicksale sich gegenseitig beeinflussen. Alles, was ich bisher darüber gelesen habe, klingt sehr viel versprechend und ich freue mich schon sehr auf den Film, der mit vielen Stars des zeitgenössischen polnischen Kinos besetzt ist.

Zwischen dem 5. und dem 11. November wird ein „Chopin Wochenende“ veranstaltet in dem viele Filme rund um und über den großen polnischen Komponisten Frédéric Chopin gezeigt. U.a. „Blue Note“ von Andrej Zulawski, den ich immer schon einmal sehen wollte.

Am 29.11. folgt der neue Film von Andrej Wajda „Der Kalmus“ in dem er erstmals sei vielen Jahren wieder mit seiner „Muse“ Krystyna Janda zusammenarbeitete. Den Film habe ich schon gesehen, war aber nicht unbedingt überzeugt. Einerseits enthält er eine interessante Mischung aus dem Film selber, den Dreharbeiten zu eben diesem Film, sowie einen langen Monolog der realen Person Janda, die sich an ihren verstorbenen Ehemann, den Kameramann Edward Klosinski, erinnert. Eine reizvoller Ansatz, aber irgendwie passt das alles nicht so recht zueinander und man hat das Gefühl, dass es hier an der Konzentration fehlt, um wirklich die Themen des Filmes befriedigend zu bearbeiten. Nichtsdestotrotz ein interessantes, wenn auch gescheitertes Projekt.

Zum Abschluss wird dann am 19.12. noch der Film „General Nil“ gezeigt. Wie bei „Rewers“ handelt es sich um eine Aufbereitung stalinistischen Zeit nach dem Krieg. Hauptperson ist ein Widerstandskämpfer und Patrioten, der erst gegen die Nazi-Besetzer gekämpft hat und nach dem Krieg vom sowjetischen Geheimdienst in einem Kriegsgefangenenlager interniert und schließlich 1953 hingerichtet wurde. Der Film htte eine perfekte Klammer mit dem eigentlichg eplanten Eröffnungsfilm ergeben, aber leider… nein, ich fange nicht schon wieder damit an.

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