„Auf zu neuen Ufern“ – Die Zukunft des Kommunalkinos „Kino 46″(?)

Auf der Homepage des Kommunalkinos findet man unter dem Titel „Zu neuen Ufern“ ein Strategiepapier zur Zukunft des Kinos 46. Darin geht es um die zukünftige Ausrichtung des Kinos 46 und die Frage, wie auch jüngere Zielgruppen erschlossen werden können.

Ich habe aus dem Strategiepapier mal ganz subjektiv einige Passagen herausgegriffen, die mir wichtig sind bzw. mir für die Zukunft des Kinos 46 besonders relevant erscheinen.

Das Kino 46 ist besonders beliebt bei den über 40-jährigen und Frauen (das hat eine Umfrage im Sommer 2008 ergeben). Bei den jüngeren Publikumsschichten gibt es deutliche Defizite, die es aufzuholen gilt. Es hängt also viel davon ab, dass das Kino 46 sein Profil über die Bereiche, in denen es anerkannt und erfolgreich ist, deutlich erweitert, um damit ein neues Image aufbaut, das man mit folgenden Begriffen umschreiben kann: vielfältig, frech, neugierig, offen, solide, innovativ, lustvoll, sinnlich, berührend.

Sehe ich ganz genauso. Momentan hat das Kino 46 im besten Falle gar kein Image, im schlechtesten Falle heißt das Image: „Da laufen russische Problemfilme mit chinesischen Untertiteln“. Hier MUSS angesetzt werden. Vielleicht sollte man wirklich den Weg gehen, das Kino 46 nicht nur als Kulturstätte, sondern auch als Marke zu begreifen und diese durch gängige Marketing-Methoden zu etablieren. Möglicherweise könnte da auch ein Außenstehender mit entsprechender Erfahrung hinzugezogen werden. Ich bin mir sicher, dass es unter den Mitgliedern des Vereins „Kino 46 e.V.“ (denn das Kommunalkino ist auch ein Verein – etwas was vielen gar nicht bekannt ist) Personen mit diesem Profil gibt, die auch gerne etwas beitragen möchten. Aber das führt gleich zur nächsten Krux. Meiner Erfahrung nach, sind die Mitglieder des Vereins gar nicht an Interaktion interessiert. Mehr dazu weiter unten.

Wichtig ist dabei, dass die räumliche Atmosphäre, der persönliche Kontakt und die regelmäßig wiederkehrenden Programmangebote ein stark identitätsstiftendes Moment in der Wirkung bei den Besuchern hinterlässt (»Mein Kino«).

Dies ist ein Punkt, welchen ich selber schon während der letztjährigen Mitgliederversammlung angesprochen habe. Um Besucher wirklich langfristig für das Kino 46 zu interessieren und das Stammpublikum signifikant zu vergrößern, muss man schon etwas Besonderes anbieten. Etwas, was andere Kinos eben nicht haben. Den Gedanken „Mein Kino“, der das Kino nicht nur zur reinen Abspielstätte degradiert, sondern auch zum Begegnungsort macht, finde ich sehr gut. Aber ich halte dies auch für schwierig umzusetzen. Denn…

das bisherige Publikum muss weiter angesprochen werden, aber durch Ansprache auf Mitgliedschaft im Verein bzw. Fördermitgliedschaft noch stärker gebunden werden

Genau mein Reden. Hierzu ein wenig Hintergrundinfo. Bei der letzten Mitgliederversammlung im März 2009 habe ich angeregt, ein Forum (online oder off-line) als gemeinsame Kommunikationsplattform für die Mitglieder des „Kino 46 e.V.“ einzurichten. Diese Idee wurde dann auch vom Vorstand und den anwesenden Mitgliedern zustimmend aufgenommen. In der Folge habe ich ein Brief an alle Mitglieder des „Kino 46 e.V.“ aufgesetzt, welcher dann zusammen mit dem nächsten Filmprogramm per Post verschickt wurde. Die Reaktion war… extrem ernüchternd. Zunächst fanden sich ca. 8-10 Mitglieder (von weit über 100), die durchaus Interesse zeigten. Mit diesem „Stamm“ im Rücken, habe ich dann ein Internetforum eingerichtet und mit etwas Leben gefüllt. Aber es tat sich nichts weiter. Keiner der „Interessenten“ meldete sich im Forum an oder trug zur Diskussion bei. Selbst nochmaliges Hinweisen auf das Forum oder weiteres Einstellen von Diskussions-Artikeln brachte keinen Erfolg. Vor zwei Monaten habe ich das Forum dann abgeschaltet, da ich es leid wurde, ständig Spam-Bots in einem „toten“ Forum zu löschen. Natürlich rätsele ich noch immer über die Gründe für diesen Fehlschlag. Wollen die Mitglieder keine Interaktion miteinander oder mit dem Verein an sich? Oder war es in diesem speziellen Fall eventuell doch ganz etwas anderes, was den Erfolg verhinderte? Mangels Feedback habe ich hierauf auch keine Antwort und dementsprechend keine Idee, wie das „bisherige Publikum noch stärker eingebunden“ werden kann.

In Bremen ist die Situation insofern kompliziert, als unser deutlicher Standortnachteil in Walle von den Programmkinos in der direkten Konkurrenz genutzt wird: Sonderveranstaltungen, thematische Filmreihen und kleine Festivals an, die die Bremer Filmkunsttheater verstärkt anbieten, funktionieren aufgrund der hervorragenden Lage auch dort und werden gerne von früheren Kooperationspartnern wie z.B. dem Filmbüro genutzt. Dieser Konkurrenz kann sich das Kino 46 nur durch eine verbesserte Standort-Situation, einem klareren Profil und fachlicher Qualifikation widersetzen.

Meine Meinung: Zieht das Kino in die Schwankhalle, wäre dies für den oben im Zitat beschriebenen Widerstand gegen die „Konkurrenz“ absolut fatal. Falls es aber doch eine Lokalität in zentralerer Lage wird, dann wäre das ein absoluter Glücksfall für das „Kino 46“ und würde oben dargelegte Überlegungen/Pläne sicherlich ausgesprochen förderlich sein. Aber das liegt (leider?) in der Hand der Politik…

Es führt kein Weg daran vorbei, dass das Kommunalkino sich in jeder Beziehung verjüngen muss: beim Filmprogrammen und Kuratieren, beim Personal und konsequenterweise beim Zuschauer müssen entsprechende Schritte eingeleitet werden.

Eine große Aufgabe ist der Kontakt zu Jugendlichen: Alle Erfahrungen in anderen Städten haben gezeigt, dass nur durch aktive Einbeziehung von Jugendlichen in die Filmauswahl interessante Filmangebote beim Zielpublikum ankommen. Hier müssen Ideen erarbeitet werden, wie diese Arbeit kontinuierlich umgesetzt werden kann.

Finde ich gut. Wobei man eines nicht vergessen sollte: Was Erwachsene denken, was Jugendliche möchten/gut finden, hat in den allerwenigsten Fällen etwas damit zu tun, was die Jugendlichen selber möchten. Darauf muss Rücksicht genommen werden. Also ist gerade der Kontakt und das Einbinden von Jugendlichen in die Programmgestaltung „für Jugendliche“ äußerst wichtig. Dann kann es zwar passieren, dass diese Filme verlangen, die nicht ins Kommunalkino-Konzept passen oder bei denen „wahre Cineasten“ nur mit den Augen rollen. Aber immer dran denken: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Und ein-zwei „populäre“ Angebote im Monat zerstören ja nicht das komplette Filmprogramm.

Dass im Kino etwas Besonderes stattfindet, das über das Vorführen eines Films.hinaus geht, muss deutlicher gemacht werden, Zum einen zeigt die Erfahrung, dass Filmabende mit Gästen und anderen Zusatzangeboten besser besucht sind. Zudem ist die Atmosphäre eine andere und trägt dem Aspekt der Arbeit eines Kommunalkinos Rechnung, »mehr als ein Kino« zu sein.

Genau. Siehe auch weiter oben: Kinos gibt es in Bremen schließlich (noch!) so einige. Warum soll man da gerade ins Kino 46 gehen, wo „eh nur so komische Filme gezeigt werden, von denen ich noch nie etwas gehört habe“. Ich glaube (und habe es auch schon öfter selber zu hören bekommen), dass genau dies der Gedanke ist, wenn potentielle Besucher entscheiden, ob sie sich heute Abend im Kino 46 „Crime and Punishment“ oder im Programmkino „Das Kabinett des Dr. Paranasus“ ansehen. Aber wenn sie denken: Im Kino 46 ist das immer so eine nette Atmosphäre, es ist es persönlich und man wird immer mal wieder positiv überrascht… ja dann…

Neben der ansprechenden Atmosphäre des Kinoraums inklusive Foyer) ist ein wichtiger Punkt, bestimmte Programmangebote zu kultivieren, die verlässlich an bestimmten Tagen und mit Event-Charakter stattfinden.

Foyer. Ein ganz wichtiger Punkt. Vielleicht stehe ich mit der Meinung allein da, aber gerade das Foyer macht eine Menge aus, wenn es um die Atmosphäre geht. Wenn es zum Treffen und Verweilen einlädt und man sich einfach wohl fühlt, dann ist das schon mal ein Faktor, warum man das eine Kino dem anderen gegenüber bevorzugt. Das merkt man schon daran: Wenn man jetzt durch die Leerstehende Gastronomie kommt, die einst das Foyer des Kinos 46 in der Waller Heerstr. belebte, dann fühlt man sich gleich unwillkommen und eilt nach der Vorstellung möglichst schnell durch das finstere Loch nach draußen. Kino = Begegnungsstätte? Das sollte sich nicht nur auf den Kinosaal beschränken.

Zusätzlich zum Internationalen Symposium mit dem Bremer Filmpreis, dem Queerfilm-Festival und den Stummfilm-Veranstaltungen mit dem Landesjugendorchester sollte im Frühjahr (April) ein weiterer größerer Event stattfinden.

Mit dem Standortwechsel sollten wir eine neue Form von Open-Air-Kino anstreben: Ideal wäre eine Platzierung in der Innenstadt und evtl. als Kooperation mit einer etablierten Veranstaltung wie La Strada, Breminale, Werder, Musikfest …

Sehr schöne Idee. Ich habe mal vorgeschlagen ein Stummfilmfestival zu organisieren, bei dem lokale Bands unterschiedlichster Stile die Begleitmusik zu den Filmen liefern. Anstelle des klassischen Pianisten oder Orchesters. In Warschau z.B. war so ein Festival vor Jahren ein absoluter Publikumsmagnet und die Leute haben im Kinosaal auf dem Boden gesessen, weil alle Plätze ausverkauft waren. Und in Nürnberg gibt es ein Festival, wo Filme öffentlich an ungewöhnlichen Orten vorgeführt werden. Auch dies ist sehr erfolgreich und zieht die Massen an. Warum nicht auch in Bremen. Und gleich eine ketzerische Frage hinterher geschoben: Das kleine Oldenburg hat ein wunderschönes und etabliertes Filmfestival. Das „große“ Bremen aber nicht. Okay, aber das ist jetzt ein ganz anderes Thema und m.E. auch keins für ein Kommunalkino.

Die derzeitige Programmsituation ist nicht so schlecht, dass wir alles ändern müssen. Das ist unsere Einschätzung. Aber wir interessieren uns sehr für die Rückmeldung unserer Besucher und Mitglieder. Also: Fühlen Sie sich eingeladen aktiv an der Umgestaltung des Kino 46 mitzuwirken. Danke!

Hier schließe ich mich an. Ich würde mich freuen, wenn einige meiner Leser diese Aufforderung annehmen und entweder direkt an das Kino 46 schreiben oder hier im Blog über die Kommentarfunktion diskutieren/ihre Meinung kundtun. Am 8.2. findet die nächste Mitgliederversammlung des Kinos 46 e.V. statt. Ich werde wieder daran teilnehmen und könnte auch Euer Feedback mit einbringen.

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1 Antwort zu „Auf zu neuen Ufern“ – Die Zukunft des Kommunalkinos „Kino 46″(?)

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