Ein enttäuschender Kinobesuch im Cinemaxx Bremen

Immer wieder wird in der Presse diskutiert, ob der klassische Kinobesuch eine Zukunft hat oder in Zeiten des Internet-Downloads, von Blu-Ray, DVD und Home Entertainment Centern ein nicht mehr zeitgemäßes und folglich aussterbendes Vergnügen ist.

Ich bin ein sehr großer Fan des Kinos und würde niemals das Vergnügen eines Kinobesuchs gegen etwas anderes eintauschen wollen, auch wenn ich natürlich Zuhause bestens ausgerüstet bin und eine sehr umfangreiches Filmarchiv besitze. Trotzdem, Kino ist etwas ganz Besonderes für mich und daher konnte ich bisher nicht verstehen, warum Menschen es vorziehen, statt auf der großen Leinwand einen Film im Puschenkino zu sehen.

Am Samstag habe ich sehr gute Argumente GEGEN einen Kinobesuch am eigenen Leibe erfahren müssen.

Nun bin ich nicht so oft in den großen Multiplex-Kinos, sondern eher in den Programmkinos zuhause. Da aber der überwiegende Teil der Kinobesucher in die Multiplex strömt und sicherlich auch der „Nachwuchs“ dort seine ersten Erfahrungen mit dem Kino macht, finde ich es für die Zukunft des Erlebnisortes Kino als Ganzes sehr wichtig, wie im Multiplex mit dem Zuschauer umgegangen wird.

Meine Erlebnisbereicht bezieht sich auf die Vorstellung des Films „2012“ am Samstag, den 21.11.09 um 20:30 im Cinemaxx Bremen.

Eine gute und sinnvolle Einrichtung ist es, dass man über die Cinemaxx Homepage Karten für den Abend direkt online kaufen und dabei aussuchen kann, wo man gerne sitzen möchte. Vorbildlich! Man wählt den Film, die Plätze und bezahlt per Kredit- oder EC-Karte. Am Abend kann man die Karten dann bequem an einem speziell dafür aufgestellten Automaten abholen. Wunderbar bequem für alle. Der Kinobesucher kann die Karten auch Minuten vor (oder nach) Filmbeginn noch abholen und das Cinemaxx hat garantierte Einnahmen, denn wenn man die Karten nicht abholt, wird das Konto trotzdem belastet. Zudem werden die Schlangen an den Kassen kürzer und das Personal entlastet. Darum frage ich mich, warum man für jede Karte 50 Cent (!!!) Aufpreis zahlen muss, wenn man den Cinemaxx eigentlich Arbeit abnimmt. Da der Film Überlänge hatte und es zudem „Prime Time“ war, durften wir dann pro Karte 10 Euro (!!!!!!) berappen. Zum Vergleich: Eine DVD eines aktuellen Filmes kostet um die 15 Euro, im Angebot kann man etwas ältere Filme schon für 5 Euro mitnehmen. Blu-rays bekommt man mittlerweile für 20 Euros, heute gab es erst wieder ein Angebot für ältere Filme (ca. ein Jahr alt) für 11 Euro.

Das Kino war bis auf den letzten Platz gerappelt voll. Zunächst wurde man mit 20 Minuten Werbung und Trailer (okay, die sehe ich immer ganz gerne) bestrahlt. Das ist normal und für mich absolut okay und zeitlich hinnehmbar. Nach 80 Minuten gab es eine Pause. Gut, ich bin da kein Freund von. Ich hasse es, in der Mitte des Filmes aus der Handlung rausgerissen zu werden und mir dann das Gesabbel der Leute um mich herum anhören zu müssen. Aber gut, viele Leute sehnen wohl eine Pinkelpause herbei und da Kinos heutzutage vor allem vom Snackverkauf leben, verstehe ich es, dass diese Gelegenheit gleich genutzt wird, um noch einmal ein zusätzliches Geschäft zu machen. Dafür reichen meiner Meinung nach aber auch 10 Minuten. Die Pause im Cinemaxx ging 20 Minuten! Eigentlich. Denn danach ging zwar endlich das Licht aus, aber auf der Leinwand ging nicht der Film weiter, sondern es wurden munter noch einmal die Werbespots vom Anfang gezeigt. Und das auch noch im falschen, verzerrten Format. Zunächst fühlte ich mich regelrecht verarscht, da ich mich das spontan ans filmzerstückelnde Privatfernsehen erinnerte. Scheinbar war das aber keine Absicht, sondern „lediglich“ Unfähigkeit. Statt des zweiten Teils des Filmes wurde noch einmal die „Werberolle“ eingelegt. Kann ja mal passieren, aber hier dauerte es noch einmal geschlagene 10 Minuten, bis der Fehler endlich korrigiert wurde. So war die Pause am Ende unfassbare 30 Minuten lang. Inakzeptabel. Während der Zwangspause hörte ich dann auch viel Unmut und Pläne, den nächsten Kinobesuch doch besser noch einmal reiflich zu überdenken.

Ich werde das nicht tun, da ich wie gesagt, ein zu großer Kinofan bin und das Erlebnis „Kino“ nicht missen möchte. Aber ich verstehe langsam, warum viele Menschen – gerade in der jüngeren Generation – mittlerweile weg bleibt und sich (wie auch immer) ihre Filme Zuhause ansehen. Gerade bei den extrem hohen Preisen, verlange ich hier einfach ein wenig mehr Professionalität von der Cinemaxx-Crew. Warum dauert es so lange bis jemand bemerkt, dass die falsche Rolle eingelegt wurde und wieso kann die dann nicht schnell gewechselt werden. Vor allem – und das ist mein Hauptkritikpunkt – weshalb kommt nicht jemand von er Cinemaxx-Belegschaft in den Kinosaal und sagen: „Leute, wir haben da ein Problem. Wir arbeiten dran, aber aus den und den Gründe kann das etwas länger dauern“. Sorry, aber so etwas erwarte ich einfach und das hätte nicht nur ein bereit sehr missmutige und unruhige Publikum ruhig gestellt, sondern auch Verständnis für die Lage gebracht. So bleiben nur verärgerte Kinobesucher zurück, die es sich – wie einige Kommentare während der Zwangspause vermuten lassen – bei der nächsten Gelegenheit zweimal überlegen, ob sie ins Kino gehen oder Zuhause eine DVD gucken.

Leider ist dieses Erlebnis kein Einzelfall. Ähnliches musste ich schon bei „Benjamin Button“ ertragen. Ich weiß, dass das Cinemaxx in Bremen ein sehr gutes und engagiertes Management hat. Deshalb hoffe ich, dass sich diese Fälle nicht weiter häufen und die Mängel abgestellt werden.

Ich für meinen Teil werde natürlich auch weiterhin fleißig ins Kino gehen und ich hoffe, dass sich nicht allzu viele bezahlende Besucher durch so etwas vom Kinobesuch abschrecken lassen.

PS: In der Pause war ich so wütend, dass ich schon gehen wollte. Hätte ich das doch mal gemacht. In der ersten Hälfte ist „2012“ noch ein lauter Krawum-Film, der mit seinen Schauwerten ganz gut unterhalten kann. In der zweiten Hälfte trieft der Pathos, verkleistert der Kitsch, nerven die Stereotypen und gähnen die Plot-Löcher. Kurzum, erste Hälfte okay, zweite Hälfte einfach nur strunzblöd. 3/10

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